
Was ist .NET MAUI?
Mit .NET MAUI entstehen Apps für Android, iOS, Windows und macOS aus einem einzigen C#-Projekt. Woher das Framework kommt, was es von React Native unterscheidet und wann es sich lohnt, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 8 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist .NET MAUI?
Der Name steht für Multi-platform App UI, also eine Oberfläche, die auf mehreren Plattformen läuft. Dahinter steckt ein bekanntes Problem: Wer eine App für iPhone und Android will, müsste sie klassisch zweimal bauen, in zwei Sprachen, mit zwei Teams. Kommt noch ein Windows-Programm fürs Büro dazu, sind es drei Baustellen. .NET MAUI löst das mit einem einzigen Projekt in C#, aus dem alle Fassungen erzeugt werden.
Wichtig dabei: Das Ergebnis sind echte, installierbare Apps, keine verpackten Webseiten. Ein Knopf auf dem iPhone ist ein echter iPhone-Knopf, eine Liste unter Android eine echte Android-Liste. MAUI beschreibt die Oberfläche einmal und übersetzt sie auf jeder Plattform in deren eigene Bedienelemente. Die Beschreibung selbst entsteht in XAML, einer Auszeichnungssprache, die in der .NET-Welt seit vielen Jahren üblich ist.
Diese wenigen Zeilen ergeben eine Eingabemaske, die auf dem Handscanner in der Halle genauso funktioniert wie auf dem Windows-Rechner im Büro. Die Logik hinter dem Knopf, etwa das Buchen in der Warenwirtschaft, wird einmal in C# geschrieben und gilt überall.
<VerticalStackLayout Padding="24" Spacing="12">
<Label Text="Inventur" FontSize="24" />
<Entry Placeholder="Artikelnummer scannen" />
<Button Text="Bestand buchen" Clicked="BestandBuchen" />
</VerticalStackLayout>Wie funktioniert .NET MAUI?
Beim Bauen der App entscheidet das Zielsystem, was entsteht: Aus demselben Projekt erzeugt MAUI ein Android-Paket, eine iOS-App, ein Windows-Programm oder eine macOS-Anwendung. Der gemeinsame Code, meist deutlich über neunzig Prozent, liegt in einem geteilten Teil des Projekts. Für die Stellen, an denen sich die Systeme wirklich unterscheiden, lässt sich plattformeigener Code ergänzen, ohne das übrige Projekt zu berühren.
Den Zugriff auf die Technik der Geräte deckt eine gemeinsame Schnittstelle ab: Kamera, GPS, Dateien, Sensoren und Bluetooth sprechen alle Plattformen über dieselben Befehle an. Genau hier liegt der Unterschied zu einer Webseite: Eine MAUI-App arbeitet auch ohne Internet, speichert Daten lokal und gleicht sie später ab. Für eine Inventur in einer Halle ohne WLAN-Ausleuchtung ist das keine Kleinigkeit, sondern die Voraussetzung.
Und wer schon Weboberflächen mit Blazor hat, kann beides verbinden: MAUI stellt Blazor-Komponenten in einer echten App dar, sodass vorhandene Oberflächen nicht neu entstehen müssen. Verteilt wird am Ende über die App-Stores oder, bei internen Apps, über eine Geräteverwaltung ganz ohne Store.
Wozu wird MAUI verwendet?
Das Zuhause von .NET MAUI sind Geschäftsanwendungen, nicht die Consumer-App im Store. Sein stärkstes Argument ist eine Kombination, die kaum ein anderes Werkzeug bietet: mobile Geräte und Windows aus einem Projekt. Typische Einsätze sind:
- Lager und Logistik: Inventur und Kommissionierung auf Handscannern, Auswertung am Windows-Rechner
- Außendienst-Apps, die Aufträge, Fotos und Unterschriften auch ohne Netz erfassen
- Service und Wartung: Checklisten und Maschinendaten auf dem Tablet, angebunden an die Warenwirtschaft
- Die Ablösung alter Xamarin-Apps, deren Unterstützung ausgelaufen ist
- Interne Apps, die per Geräteverwaltung verteilt werden statt über einen öffentlichen Store
In diesem Rahmen setzen wir MAUI auch ein: Handscanner im Lager und Rechner im Büro bekommen dieselbe Anwendung aus einer Codebasis, eine Änderung an der Fachlogik wird einmal gemacht und gilt auf allen Geräten. Was dabei entsteht, zeigt unsere Seite zur App-Entwicklung.
Die Geschichte von .NET MAUI
MAUI ist jung, seine Wurzeln sind es nicht. Sie reichen zurück zu Xamarin, einer Firma, die C# auf iPhone und Android brachte und 2016 von Microsoft übernommen wurde. Deren Werkzeug Xamarin.Forms war jahrelang der Weg für plattformübergreifende Apps in der .NET-Welt, trug aber zunehmend Altlasten. Microsoft entschied sich für einen Neuaufbau innerhalb von .NET statt für weiteres Flicken: 2022 erschien .NET MAUI als offizieller Nachfolger, 2024 endete die Unterstützung für Xamarin endgültig.
- Erschienen
- Mai 2022, mit .NET 6
- Entwickelt von
- Microsoft, quelloffen
- Vorgänger
- Xamarin.Forms, Unterstützung endete 2024
- Sprache
- C# und XAML
- Plattformen
- Android, iOS, Windows, macOS
Von Xamarin zu .NET MAUI

Xamarin entsteht
Ein Team um Miguel de Icaza gründet Xamarin und bringt C# auf iPhone und Android. Die Idee einer gemeinsamen Codebasis für mobile Apps nimmt Fahrt auf.
2011
Was MAUI nicht kann
Wie jedes Werkzeug hat MAUI einen Zuschnitt, und der sollte vor der Entscheidung auf dem Tisch liegen. Die wichtigsten Grenzen:
- Linux ist keine offiziell unterstützte Zielplattform, und das Web deckt MAUI nicht ab, dafür gibt es Blazor
- Das Umfeld ist kleiner als bei React Native: weniger fertige Bausteine, weniger Entwickler am Markt
- Die ersten Versionen galten als holprig, inzwischen ist das Framework deutlich gereift
- Ohne .NET-Kenntnisse im Haus entsteht eine Abhängigkeit, die man sich nicht schönrechnen sollte
Dazu kommt eine Grundsatzfrage, die für jedes plattformübergreifende Werkzeug gilt: Wer das Letzte an Gefühl und Sonderfunktionen aus einer einzigen Plattform holen will, fährt mit nativer Entwicklung besser. Für Geschäftsanwendungen ist das aber selten der Maßstab.
.NET MAUI oder React Native?
Beide Frameworks verfolgen dasselbe Ziel, eine Codebasis für mehrere Plattformen, und beide erzeugen echte Apps mit echten Bedienelementen. Der Unterschied liegt in der Herkunft: React Native kommt aus der JavaScript-Welt und ist der Standard für Apps in Richtung Endkunden. MAUI kommt aus der .NET-Welt und punktet im Geschäftsumfeld. Als Orientierung:
- React Native, wenn die App für Endkunden gedacht ist und nur iPhone und Android zählen
- React Native, wenn euer Team oder Dienstleister aus der Webentwicklung kommt
- MAUI, wenn eure Software in C# geschrieben ist und Datenmodelle weiterleben sollen
- MAUI, wenn Windows als vollwertige Plattform gebraucht wird, etwa für den Arbeitsplatz im Büro
Wir bauen mit beidem und entscheiden nach eurem Bestand, nicht nach Vorliebe. Kommt die Anfrage nach MAUI, obwohl kein .NET im Haus ist und nur eine Endkunden-App entstehen soll, sagen wir das offen und empfehlen React Native. Umgekehrt genauso.
MAUI aus Kundensicht
Der wirtschaftliche Kern von MAUI ist einfach: eine Codebasis statt zwei oder drei. Das senkt nicht nur die Erstentwicklung, sondern vor allem die Folgekosten, denn jede neue Funktion und jede Fehlerkorrektur wird einmal gebaut und einmal getestet statt mehrfach. Über die Lebensdauer einer App summiert sich das erheblich, und genau dort entscheidet sich, ob eine App bezahlbar bleibt.
Auf die andere Waagschale gehören zwei Punkte. Erstens die Pflege: .NET erscheint im Jahresrhythmus, und die App sollte mitziehen, das gehört fest in die Wartungsplanung. Zweitens die Personalfrage: MAUI-Entwickler sind seltener als React-Native-Entwickler, wer den Dienstleister wechseln will, hat eine kleinere Auswahl. Für Firmen mit eigener .NET-Mannschaft dreht sich das Argument allerdings um, denn dann pflegt das eigene Haus die App mit vorhandenem Wissen weiter.
Ist MAUI die Zukunft?
Innerhalb der .NET-Welt lautet die Antwort ja, denn dort ist MAUI der gesetzte Weg für Apps und der einzige offizielle Nachfolger von Xamarin. Microsoft entwickelt es im Takt der .NET-Versionen weiter, und mit dem Xamarin-Ende ist die Richtung endgültig klar. Wer eine alte Xamarin-App betreibt, hat ohnehin keine Wahl mehr: Sie läuft ohne Sicherheitsaktualisierungen und sollte zügig umziehen.
Über die .NET-Welt hinaus wird MAUI den Markt nicht übernehmen, dort sind React Native und Flutter zu fest verankert. Das muss es auch nicht: Sein Wert liegt in der Verbindung von mobilen Geräten, Windows und vorhandenem C#-Bestand, und diese Kombination bedient sonst kaum jemand. Wie wir das in Projekten einsetzen, steht auf unserer Seite zur .NET MAUI Entwicklung.
Was .NET MAUI stark macht

Eine Codebasis
Android, iOS, Windows und macOS entstehen aus einem Projekt. Jede Änderung wird einmal gemacht und erreicht alle Geräte gleichzeitig.

Zugriff auf die Geräte
Kamera, GPS, Sensoren und Bluetooth sind über eine gemeinsame Schnittstelle erreichbar. Die App arbeitet auch ohne Netz und gleicht Daten später ab.

C# bleibt C#
Datenmodelle, Prüfregeln und Berechnungen aus bestehender .NET-Software lassen sich in der App weiterverwenden, statt sie doppelt zu pflegen.

Windows gehört dazu
Anders als die meisten App-Frameworks behandelt MAUI Windows als vollwertige Plattform. Für den Arbeitsplatz im Büro gibt das oft den Ausschlag.
Was wir mit MAUI bauen
MAUI setzen wir ein, wenn eure Welt schon .NET spricht. Diese Leistungen gehören dazu.

Apps
Apps für Lager, Außendienst und Service, die auf dem Scanner in der Halle und dem Rechner im Büro aus derselben Codebasis laufen.
Webanwendungen
Wenn der Browser reicht, bauen wir stattdessen eine Webanwendung, gern mit Blazor. Wir sagen euch vorher, welcher Weg der günstigere ist.
Beratung
Xamarin-App ablösen, Bestand prüfen, Plattformen festlegen: Wir schätzen den Aufwand, bevor ihr entscheidet, nicht danach.






