
Was ist React Native?
Mit React Native entsteht aus einem Projekt eine App für iPhone und Android. Wie das funktioniert, wo die Grenzen liegen und wann native Entwicklung doch die bessere Wahl ist, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 8 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist React Native?
Wer eine App für iPhone und Android will, stand lange vor einer teuren Wahl: zwei getrennte Apps entwickeln, eine in Swift für Apple und eine in Kotlin für Google, oder eine Webseite in einen App-Rahmen stecken, die sich dann auch so anfühlt. React Native ist der dritte Weg. Die App wird einmal geschrieben, in JavaScript oder TypeScript, und läuft auf beiden Systemen.
Der entscheidende Unterschied zum App-Rahmen: React Native zeigt keine Webseite an. Aus der Beschreibung der Oberfläche erzeugt es die echten Bedienelemente des jeweiligen Systems. Eine Liste scrollt so, wie es das iPhone vorgibt, ein Schalter sieht auf Android so aus, wie Android-Nutzer ihn kennen. Für die Person am Gerät ist der Unterschied zu einer nativ entwickelten App im Alltag kaum zu bemerken.
Die Denkweise kommt von React: Die Oberfläche besteht aus Komponenten, und die Anzeige folgt den Daten. Statt HTML-Bausteinen werden Bausteine wie View und Text verwendet, der Rest fühlt sich für React-Entwickler vertraut an.
import { View, Text, Pressable } from "react-native";
function Auftrag({ titel, onErledigt }) {
return (
<View>
<Text>{titel}</Text>
<Pressable onPress={onErledigt}>
<Text>Als erledigt markieren</Text>
</Pressable>
</View>
);
}Wie funktioniert React Native?
In der fertigen App laufen zwei Welten nebeneinander. Der JavaScript-Teil enthält die Logik: was angezeigt wird, was ein Knopfdruck auslöst, welche Daten vom Server kommen. Der native Teil setzt das in Bedienelemente des Systems um. Eine Brücke verbindet beide Seiten, und die wurde über die Jahre so weit beschleunigt, dass auch flüssige Animationen und lange Listen kein Problem sind.
Für die Fähigkeiten des Geräts gibt es fertige Module: Kamera, Ortung, Push-Benachrichtigungen, Fingerabdruck, Offline-Speicher. Reicht ein Modul nicht, lässt sich eigener nativer Code in Swift oder Kotlin einbinden, etwa für spezielle Hardware. Das ist der Sicherheitsanker des Ansatzes: Man ist nie eingesperrt, sondern kann punktuell nativ nachhelfen.
Verteilt wird die App wie jede andere: als Paket in den App Store von Apple und den Play Store von Google, mit Prüfung durch beide Anbieter. Aus Sicht der Stores ist eine React-Native-App eine ganz normale App.
Wozu wird React Native verwendet?
React Native passt für die große Mehrheit der Firmen-Apps, also überall dort, wo Listen, Formulare, Fotos und Anmeldung den Kern bilden. Typische Einsatzgebiete sind:
- Apps für den Außendienst: Aufträge öffnen, Checklisten abhaken, Fotos anhängen, unterschreiben lassen
- Kunden-Apps mit Bestellungen, Terminen und Push-Benachrichtigungen
- Interne Apps für Lager, Zeiterfassung oder Baustellendokumentation
- Apps als Ergänzung zu einer bestehenden Webanwendung, mit derselben Schnittstelle im Hintergrund
- Apps, die offline weiterarbeiten und später abgleichen, etwa im Keller oder auf dem Land
Bei uns entstehen Apps grundsätzlich so: iOS und Android aus einem Projekt, nicht als zwei getrennt gepflegte Apps. Der Vorteil zeigt sich weniger am ersten Tag als in jedem Monat danach, denn jede Änderung, jede Fehlerkorrektur und jede neue Funktion wird einmal gebaut und erreicht beide Plattformen gleichzeitig.
Die Geschichte von React Native
Auch React Native entstand bei Facebook aus eigenem Bedarf. Die ersten Facebook-Apps fürs Handy waren verpackte Webseiten und wurden dafür öffentlich verrissen, der Firmenchef nannte das später einen der größten Fehler des Unternehmens. Die Lehre daraus: echte native Oberflächen, aber mit der Entwicklungsgeschwindigkeit des Webs. 2015 wurde das Ergebnis quelloffen veröffentlicht.
- Erschienen
- 2015, quelloffen
- Entwickelt von
- Meta, damals Facebook
- Sprache
- JavaScript und TypeScript
- Plattformen
- iOS und Android aus einem Projekt
- Bekannte Nutzer
- Instagram, Discord, Shopify, Microsoft
Vom Experiment zur Werkbank

Veröffentlichung
Facebook gibt React Native frei, zuerst für iOS, wenige Monate später für Android. Die Idee, Apps mit Webwissen zu bauen, zieht sofort viele Teams an.
2015
Was React Native nicht kann
React Native deckt viel ab, aber nicht alles. Ehrlich benannt sind die Grenzen diese:
- Rechenintensive Apps sind nicht sein Feld: 3D-Spiele, Videoschnitt oder dauerhafte Sensorauswertung gehören in nativen Code
- Ganz neue Systemfunktionen kommen mit Verzögerung an, weil erst ein Modul dafür entstehen muss
- Die App wird etwas größer und startet minimal langsamer als eine rein native, für übliche Firmen-Apps ohne Belang
- Ohne Pflege veraltet sie: Apple und Google ändern jedes Jahr ihre Anforderungen, das Projekt muss mitziehen
Für die typische Geschäfts-App mit Listen, Formularen und Fotos spielt keiner dieser Punkte eine Rolle. Wer aber an die Leistungsgrenze des Geräts will, sollte das vor der Technikwahl wissen, nicht danach.
React Native oder native Apps?
Nativ heißt: zwei Apps, eine in Swift für iOS und eine in Kotlin für Android, jede von Spezialisten gepflegt. Das liefert die beste Leistung und den frühesten Zugriff auf Neuheiten der Systeme, kostet aber annähernd das Doppelte, bei der Entwicklung und bei jeder späteren Änderung. Die Entscheidung lässt sich an wenigen Fragen festmachen:
- Braucht die App beide Plattformen? Dann spricht der doppelte Pflegeaufwand klar für React Native
- Arbeitet sie an der Leistungsgrenze, etwa mit 3D oder Videobearbeitung? Dann nativ
- Gibt es schon Webentwicklung mit React im Haus? Dann bleiben Sprache und Denkweise mit React Native dieselben
- Ist das Budget begrenzt? Eine Codebasis halbiert grob die wiederkehrenden Kosten
Unsere ehrliche Einordnung: Für die allermeisten Firmen-Apps ist React Native die wirtschaftlich vernünftige Wahl, und in manchen Fällen ist gar keine App nötig, sondern eine Webanwendung, die sich auf dem Startbildschirm ablegen lässt. Wie wir das entscheiden, steht auf unserer Seite zur React-Native-Entwicklung.
React Native aus Kundensicht
Der größte Posten einer App ist nicht die erste Version, sondern das Leben danach: neue Funktionen, Fehlerkorrekturen, jährliche Anpassungen an neue iOS- und Android-Versionen. Mit einer Codebasis fällt jeder dieser Posten einmal an statt zweimal. Über eine Laufzeit von fünf Jahren macht das oft den Unterschied zwischen einer App, die gepflegt wird, und einer, die aus Kostengründen verkümmert.
Zur Unabhängigkeit: React Native ist quelloffen, der Code gehört euch, und Entwickler dafür sind gut zu finden, weil die Grundlage React so verbreitet ist. Wichtig ist, dass die Entwicklerkonten bei Apple und Google auf eure Firma laufen, nicht auf den Dienstleister. Dann könnt ihr jederzeit wechseln, ohne die App neu einreichen zu müssen.
Ist React Native die Zukunft?
React Native hat die Phase hinter sich, in der das offen war. Meta nutzt es in den eigenen Apps, Microsoft setzt es in Office und Outlook ein, Shopify hat die gesamte App-Entwicklung darauf umgestellt. Mit der neuen Architektur wurde der Unterbau gerade erst erneuert, so etwas investiert niemand in eine Technik auf dem Abstellgleis.
Der ernsthafteste Mitbewerber ist Flutter von Google, das dieselbe Aufgabe mit eigener Zeichenschicht und der Sprache Dart löst. Beide Wege sind ausgereift, und beide werden bleiben. Für Firmen, die im Web bereits mit JavaScript oder React arbeiten, bleibt React Native die naheliegende Wahl, weil Wissen und Werkzeuge gemeinsam genutzt werden können.
Was React Native stark macht

Eine Codebasis, zwei Systeme
iPhone und Android entstehen aus einem Projekt. Jede Änderung wird einmal gebaut und erreicht beide Plattformen im selben Durchgang.

Echte Bedienelemente
Keine Webseite im Rahmen: Listen, Schalter und Übergänge kommen vom System selbst und fühlen sich so an, wie Nutzer es erwarten.

Anschluss an eure Systeme
Die App spricht über Schnittstellen mit Warenwirtschaft, Kalender oder Webanwendung. Außendienst und Büro arbeiten auf demselben Stand.

Pflege bleibt bezahlbar
Fehlerkorrekturen und jährliche Systemanpassungen fallen einmal an statt zweimal. Das hält die App über Jahre am Leben.
Was wir für Apps bauen
Von der App über das Backend bis zum laufenden Betrieb aus einer Hand.

Apps
Apps für Kunden und Außendienst mit React Native, inklusive Begleitung durch App Store und Play Store.
Webanwendungen
Das Gegenstück im Browser: Verwaltung, Auswertungen und Schnittstellen, mit denen die App ihre Daten austauscht.
Hosting und Wartung
Server, Updates und die jährlichen Anpassungen an neue iOS- und Android-Versionen, mit festen Zeitfenstern statt Zuruf.






