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Aufgeklappter Laptop mit Quelltext neben einer Pflanze

Was ist Tailwind CSS?

Tailwind CSS gestaltet Webseiten über kleine Klassen direkt im HTML statt über getrennte Stildateien. Wie das funktioniert, woher es kommt und wann eigenes CSS die bessere Wahl ist, verständlich erklärt.

Lesezeit
9 Minuten
Autor
Samet Akin
Veröffentlicht

Was ist Tailwind CSS?

Um Tailwind zu verstehen, hilft ein Blick auf das, was es ersetzt. Das Aussehen einer Webseite steckt in CSS, einer eigenen Sprache für Farben, Abstände und Schriften. Klassisch liegt dieses CSS in getrennten Dateien: Im HTML steht ein selbst erfundener Name wie produktkarte, in der Stildatei steht, wie eine Produktkarte aussieht. Bei jeder Änderung springt man zwischen beiden Welten hin und her, und über die Jahre sammeln sich Namen an, deren Bedeutung niemand mehr kennt.

Tailwind dreht das um. Es liefert einen großen Vorrat fertiger Mini-Klassen, von denen jede genau eine Sache tut: p-4 setzt einen Innenabstand, text-white macht die Schrift weiß, rounded rundet die Ecken. Diese Klassen stehen direkt am Element im HTML. Was ein Knopf tut und wie er aussieht, steht damit an einer Stelle, und es gibt keine erfundenen Namen mehr, die erklärt werden müssten.

Dieser Knopf ist fertig gestaltet, ohne dass irgendwo eine eigene Stildatei angefasst wurde: abgerundete Ecken, blauer Hintergrund, weiße Schrift, ein dunkleres Blau beim Überfahren. Wer die Zeile liest, weiß genau, wie der Knopf aussieht.

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Wie funktioniert Tailwind?

Der eigentliche Kern von Tailwind ist nicht die Schreibweise, sondern die Skala dahinter. Abstände, Farben und Schriftgrößen kommen aus einem festen Vorrat, der einmal im Projekt definiert wird. Es gibt p-2, p-4 und p-6, aber keinen Abstand von siebzehn Pixeln, weil es gerade passte. Es gibt die Blautöne der Skala, aber nicht dreiundzwanzig ähnliche Blautöne, die sich über Jahre eingeschlichen haben. Diese Begrenzung klingt nach wenig, ist im Alltag aber der Grund, warum Tailwind-Projekte einheitlich aussehen.

Die Skala lässt sich an das eigene Erscheinungsbild anpassen: Hausfarben, Schriften und Abstände werden in der Konfiguration hinterlegt und ersetzen die Voreinstellungen. Danach benutzt das ganze Projekt nur noch diese Werte, und eine Änderung an der Hausfarbe passiert an genau einer Stelle. Beim Bauen der Seite prüft Tailwind außerdem, welche Klassen tatsächlich vorkommen, und liefert nur diese aus. Die Stildatei bleibt dadurch klein, was den Seitenaufbau schnell hält.

Dass die Klassenketten im HTML nicht ausufern, liegt an einem zweiten Baustein: Komponenten. In Projekten mit React oder Next.js wird ein Knopf einmal als Komponente gebaut und überall wiederverwendet, die Tailwind-Klassen stehen also nur an einer Stelle. Genau deshalb passen Tailwind und komponentenbasierte Frameworks so gut zusammen.

Wozu wird Tailwind verwendet?

Tailwind ist heute in einem großen Teil der neuen Webprojekte anzutreffen, vom Startup-Produkt bis zur Konzern-Anwendung. Besonders gut passt es dort, wo mehrere Leute an einer Oberfläche arbeiten oder mehrere Seiten zusammengehören sollen. Typische Einsätze sind:

  • Webanwendungen und Portale mit vielen Ansichten, die einheitlich aussehen sollen
  • Firmenwebseiten und Landingpage-Familien, die dasselbe Erscheinungsbild teilen
  • Onlineshops, bei denen das eigene Erscheinungsbild statt eines Baukasten-Looks gefragt ist
  • Oberflächen-Prototypen, die schnell entstehen und später weiterwachsen sollen
  • Projekte mit wechselnden Bearbeitern, weil die Gestaltung am Element ablesbar ist

Bei uns ist Tailwind eine Option, kein Reflex: Wir setzen es ein, wenn euer Team damit weiterarbeitet oder das Projekt davon profitiert, sonst schreiben wir CSS ohne Zusatz. Diese Webseite selbst nutzt zum Beispiel SCSS-Module, weil das zu ihrem Zuschnitt besser passt. Wie wir solche Entscheidungen treffen, zeigt unsere Seite zum Webdesign.

Die Geschichte von Tailwind

Tailwind entstand aus Projektalltag, nicht am Reißbrett. Der kanadische Entwickler Adam Wathan zog sich aus seinen eigenen Projekten immer wieder dieselben Hilfsklassen heraus, bis daraus 2017 ein eigenständiges Werkzeug wurde. Die Idee, Gestaltung über viele kleine Klassen statt über erfundene Namen zu regeln, war damals umstritten und wurde in Fachkreisen heftig diskutiert. Durchgesetzt hat sie sich trotzdem, vor allem weil sie im Alltag schlicht funktioniert.

Erschienen
2017
Entwickelt von
Adam Wathan, heute Tailwind Labs
Art
CSS-Framework aus einzelnen Hilfsklassen
Lizenz
MIT, kostenfrei nutzbar
Verbreitung
In Umfragen das meistgenutzte CSS-Framework

Vom Nebenprojekt zur festen Größe

Hände auf einer Tastatur vor einem Bildschirm mit Code

Veröffentlichung

Adam Wathan veröffentlicht Tailwind als Open Source. Der Ansatz, Gestaltung über Hilfsklassen im HTML zu regeln, spaltet die Fachwelt vom ersten Tag an.

2017

Was Tailwind nicht kann

Der häufigste Irrtum zuerst: Tailwind gestaltet nichts von selbst. Es liefert Bausteine, aber kein Design, und eine Seite voller Hilfsklassen kann genauso lieblos aussehen wie jede andere. Die Gestaltungsarbeit bleibt Menschenarbeit. Dazu kommen ein paar handfeste Grenzen:

  • Das HTML wird voller: lange Klassenketten am Element sind gewöhnungsbedürftig und bleiben es
  • Es braucht einen Build-Schritt beim Bauen der Seite, in modernen Projekten ist der aber ohnehin da
  • In Teams, die klassisches CSS pflegen und schätzen, wird Tailwind schnell zum Streitpunkt
  • Bei einer kleinen Seite mit wenigen Vorlagen ist eigenes CSS oft kürzer und lesbarer

Keiner dieser Punkte lässt sich wegkonfigurieren. Wer die Klassenketten nicht mag, sollte Tailwind nicht einsetzen, und das ist eine völlig legitime Entscheidung.

Tailwind oder eigenes CSS?

Die Frage ist keine Glaubensfrage, auch wenn sie im Netz oft so geführt wird. Beides ist am Ende CSS, der Unterschied liegt darin, wer die Ordnung hält. Bei eigenem CSS hält sie das Team: mit Namensregeln, Disziplin und Erfahrung. Bei Tailwind hält sie das Werkzeug: durch die feste Skala und die Klassen, die es gibt oder eben nicht gibt. Als Orientierung:

  • Tailwind, wenn viele Leute oder wechselnde Dienstleister an der Oberfläche arbeiten
  • Tailwind, wenn mehrere Seiten oder Anwendungen dasselbe Erscheinungsbild teilen sollen
  • Eigenes CSS, wenn ein eingespieltes Team seine Ordnung bereits hat und hält
  • Eigenes CSS, wenn die Seite klein ist und ein Build-Werkzeug nur für die Gestaltung übertrieben wäre

Ehrlich gesagt entscheidet meist nicht die Technik, sondern die Frage, wer den Code in drei Jahren anfasst. Ein Nachfolger findet sich in einem Tailwind-Projekt schnell zurecht, weil die Regeln überall dieselben sind. Ein sauber gepflegtes eigenes CSS ist genauso wartbar, nur hängt das Wort sauber dort stärker an den Personen als am Werkzeug.

Tailwind aus Kundensicht

Als Auftraggeber sieht man Tailwind nie direkt, aber man spürt seine Wirkung an zwei Stellen. Die erste ist das Erscheinungsbild: Weil alle Werte aus einer Skala kommen, sehen auch Seiten einheitlich aus, die zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Leuten gebaut wurden. Die Hausfarbe liegt an einer Stelle, und ein Markenwechsel bedeutet eine Änderung statt einer Suche durch dutzende Dateien.

Die zweite Stelle sind die Folgekosten. Tailwind selbst kostet nichts, die Lizenz ist MIT, und die enorme Verbreitung sorgt dafür, dass praktisch jeder Webdienstleister damit arbeiten kann. Ein Wechsel des Dienstleisters scheitert also nicht am Werkzeug. Was eine Webseite insgesamt kostet und wovon das abhängt, haben wir in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.

Lohnt sich Tailwind noch?

An der Verbreitung gemessen ist die Frage schnell beantwortet: Tailwind führt die Umfragen unter den CSS-Frameworks seit Jahren an, die Entwicklung ist aktiv, und mit Version 4 wurde der Kern gerade erst neu geschrieben. Hinter dem Projekt steht mit Tailwind Labs eine Firma mit eigenem Geschäftsmodell, es hängt also nicht am Wohlwollen eines einzelnen Konzerns.

Interessanter ist die Gegenbewegung: CSS selbst wird von Jahr zu Jahr besser und beherrscht inzwischen vieles, wofür früher Werkzeuge nötig waren. Der Abstand schrumpft also, und für kleine Projekte ist pures CSS heute eine ernsthafte Alternative. Tailwinds eigentliches Argument bleibt davon aber unberührt, denn die feste Skala und die gemeinsame Sprache im Team liefert CSS allein nicht. Wann wir zu Tailwind greifen und wann nicht, steht auf unserer Tailwind-Seite.

Was Tailwind CSS stark macht

Laptop mit einer Bildbearbeitung und mehreren Vorschaubildern

Eine feste Skala

Farben, Abstände und Schriftgrößen kommen aus einem definierten Vorrat. Das Erscheinungsbild bleibt einheitlich, egal wer gerade daran arbeitet.

Beleuchtete Tastatur vor einem Bildschirm mit einer Oberfläche

Gestaltung am Element

Was ein Element tut und wie es aussieht, steht an einer Stelle. Niemand springt zwischen Dateien oder entschlüsselt fremde Namenslogik.

Zwei Personen an einem Laptop, eine zeigt auf den Bildschirm

Gemeinsame Sprache

Tailwind-Klassen heißen in jedem Projekt gleich. Neue Teammitglieder und neue Dienstleister finden sich sofort zurecht, statt sich erst einzulesen.

Laptop mit einer Suchergebnisliste, der erste Treffer hervorgehoben

Kleine Stildateien

Ausgeliefert wird nur, was die Seite wirklich verwendet. Das hält die Stildatei klein und den Seitenaufbau schnell, was auch Google honoriert.

Was wir damit gestalten

Ob mit Tailwind oder eigenem CSS entschieden wird, hängt am Projekt. Das Ergebnis sind Oberflächen aus diesen Leistungen.

  • Tablets mit Entwürfen, daneben Farbmuster und Stifte

    Design

    Erscheinungsbild, Farbwelt und Oberflächen, die zu eurem Betrieb passen. Die feste Skala macht Vorgaben aus dem Styleguide verbindlich.
  • Laptop auf einem Schreibtisch mit einer geöffneten Webseite

    Webseiten

    Firmenwebseiten, die schnell laden und einheitlich aussehen, auch wenn über die Jahre neue Seiten dazukommen.
  • Laptop mit einem Onlineshop und einer Produktübersicht

    Onlineshops

    Shops mit eigenem Erscheinungsbild statt Baukasten-Look, vom Produktraster bis zur Kasse aus einem Guss.

Häufige Fragen

Was kostet Tailwind CSS?

Das Framework ist quelloffen und kostenlos, auch für kommerzielle Projekte. Geld verdient der Hersteller mit optionalen Vorlagen und fertigen Bausteinen, die man kaufen kann, aber nicht braucht. Bezahlt wird wie immer die Gestaltungs- und Entwicklungszeit.

Ist Tailwind schwer zu lernen?

Wer CSS versteht, lernt Tailwind in wenigen Tagen, denn die Klassennamen folgen den CSS-Eigenschaften. Umgekehrt gilt das nicht: Ohne CSS-Grundlagen hilft auch Tailwind nicht, weil man wissen muss, was die Klassen bewirken. Es ist eine Abkürzung, kein Ersatz fürs Verständnis.

Was ist der Unterschied zu normalem CSS?

Technisch keiner, Tailwind erzeugt ganz normales CSS. Der Unterschied liegt im Arbeiten: Statt eigene Klassennamen zu erfinden und in getrennten Dateien zu pflegen, kombiniert man fertige Hilfsklassen direkt im HTML. Die Werte kommen dabei aus einer festen Skala statt aus freier Hand.

Macht Tailwind meine Webseite langsamer?

Nein, eher im Gegenteil. Beim Bauen der Seite wird nur das CSS ausgeliefert, das tatsächlich verwendet wird, und diese Datei ist meist kleiner als gewachsene Stildateien alter Projekte. Für die Ladezeit zählen am Ende ohnehin Bilder und Skripte deutlich mehr.

Wer nutzt Tailwind CSS?

Unter anderem OpenAI, Shopify und GitHub setzen es auf öffentlichen Seiten ein, dazu eine riesige Zahl kleinerer Firmen und Agenturen. In der Umfrage State of CSS ist Tailwind seit Jahren das meistgenutzte CSS-Framework. Wir nutzen es projektabhängig, wenn es zum Team des Kunden passt.

Funktioniert Tailwind mit WordPress?

Ja, vor allem in individuell entwickelten Themes. In Baukasten-Umgebungen und fertigen Themes ist es dagegen selten sinnvoll, weil dort schon ein eigenes Gestaltungssystem steckt. Ob sich der Einbau lohnt, hängt davon ab, wie viel am Erscheinungsbild wirklich individuell sein soll.

Brauche ich Tailwind für meine Webseite?

Nein, brauchen nicht. Eine gute Webseite entsteht mit und ohne Tailwind, entscheidend sind Gestaltung und Umsetzung. Als Auftraggeber müsst ihr die Wahl nicht treffen, aber ihr dürft euren Dienstleister fragen, warum er sich so entschieden hat. Eine klare Antwort ist ein gutes Zeichen.

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