
Was ist JavaScript?
JavaScript ist die einzige Programmiersprache, die jeder Browser versteht, und steckt deshalb in praktisch jeder Webseite. Woher die Sprache kommt, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 9 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist JavaScript?
JavaScript ist eine Programmiersprache, die 1995 für den Browser entwickelt wurde und bis heute die einzige Sprache ist, die dort direkt läuft. Eine Webseite besteht aus drei Schichten: HTML liefert den Inhalt, CSS das Aussehen, und JavaScript das Verhalten. Ohne JavaScript bleibt eine Seite ein Blatt Papier, mit JavaScript reagiert sie: auf Klicks, auf Eingaben, auf Bewegungen.
Ein Punkt sorgt seit dreißig Jahren für Verwirrung: JavaScript hat mit der Sprache Java nichts zu tun. Der Name war 1995 eine Marketingentscheidung, weil Java damals in aller Munde war. Die beiden Sprachen sind so verwandt wie Hammer und Hamburg. Wer eine Webseite beauftragt, braucht in fast allen Fällen JavaScript, nicht Java.
Wie das im Alltag aussieht, zeigt ein kleines Beispiel. Ein Besucher tippt eine Stückzahl in ein Bestellformular, und der Gesamtpreis rechnet sich sofort mit, ohne dass die Seite neu lädt:
const menge = document.querySelector("#menge");
const preis = document.querySelector("#preis");
menge.addEventListener("input", () => {
const summe = menge.value * 4.9;
preis.textContent = summe.toFixed(2) + " Euro";
});Wie funktioniert JavaScript?
Der Code wird zusammen mit der Seite ausgeliefert und direkt im Browser des Besuchers ausgeführt. Jeder Browser bringt dafür eine eigene Ausführungsumgebung mit, in Chrome heißt sie zum Beispiel V8. Es muss nichts installiert werden, und genau das erklärt die Verbreitung: Jedes Gerät mit einem Browser kann JavaScript ausführen, vom Bürorechner bis zum zehn Jahre alten Smartphone.
Typisch für die Sprache ist das Arbeiten mit Ereignissen. Der Code sagt nicht, was der Reihe nach passieren soll, sondern was passieren soll, wenn etwas passiert: wenn jemand klickt, wenn eine Eingabe ankommt, wenn der Server antwortet. Daten holt JavaScript dabei im Hintergrund nach, ohne die Seite neu zu laden. So fühlt sich eine Produktliste mit Filtern wie ein Programm an und nicht wie ein Dokument:
Seit 2009 endet JavaScript nicht mehr am Browser. Mit Node.js läuft dieselbe Sprache auch auf dem Server und übernimmt dort Aufgaben, die früher anderen Sprachen vorbehalten waren: Daten speichern, Schnittstellen bereitstellen, E-Mails verschicken. Frameworks wie Next.js verbinden beide Seiten zu einem Projekt in einer Sprache.
const antwort = await fetch("/api/lagerbestand?artikel=4711");
const daten = await antwort.json();
anzeige.textContent = daten.verfuegbar
? "Auf Lager"
: "Wieder da ab " + daten.liefertermin;Wozu wird JavaScript verwendet?
Kurz gesagt: überall dort, wo eine Webseite mehr können soll als anzeigen. Sobald der Besucher etwas tut und die Seite darauf reagiert, ist JavaScript im Spiel. Typische Einsatzgebiete sind:
- Webseiten mit beweglichen Teilen: aufklappende Menüs, Bildergalerien, Formulare, die beim Tippen prüfen
- Konfiguratoren und Preisrechner, bei denen sich das Ergebnis sofort mitrechnet
- Webanwendungen und Kundenportale, die sich wie ein Programm bedienen lassen
- Onlineshops mit Filtern, Warenkorb und Kassenstrecke
- Server und Schnittstellen mit Node.js, vom Formularversand bis zur kompletten Backend-Logik
Bei uns ist JavaScript in jedem Projekt dabei, auch auf der Seite, die ihr gerade lest. Bei Webseiten setzen wir es bewusst sparsam ein, damit die Seite schnell lädt, bei Webanwendungen trägt es die komplette Oberfläche. Die Kunst liegt weniger darin, JavaScript zu benutzen, als darin, es an den richtigen Stellen wegzulassen. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zur JavaScript-Entwicklung.
Die Geschichte von JavaScript
JavaScript entstand 1995 bei Netscape, dem Hersteller des damals wichtigsten Browsers. Brendan Eich entwarf die erste Version unter großem Zeitdruck in nur wenigen Tagen, weil Netscape schnell eine Skriptsprache für den eigenen Browser brauchte. Dass aus diesem Schnellschuss die meistverbreitete Programmiersprache der Welt werden würde, hat damals niemand geplant. Seit 1997 ist die Sprache unter dem Namen ECMAScript standardisiert und wird vom Normungsgremium Ecma International gepflegt, damit alle Browser dieselbe Sprache sprechen.
- Erschienen
- 1995
- Entwickelt von
- Brendan Eich bei Netscape
- Standard
- ECMAScript, gepflegt von Ecma International
- Läuft auf
- Jedem Browser, mit Node.js auch auf dem Server
- Verbreitung
- Seit Jahren vorn in den großen Entwicklerumfragen
Vom Schnellschuss zur Weltsprache

Die Entstehung
Brendan Eich entwickelt die erste Version bei Netscape in wenigen Tagen. Der Name JavaScript ist reines Marketing, mit der Sprache Java hat sie nichts zu tun.
1995
Was JavaScript nicht kann
So verbreitet die Sprache ist, so ehrlich muss man ihre Schwächen benennen. Die meisten davon sind kein Fehler der Sprache, sondern eine Folge ihrer Geschichte: Sie wurde in wenigen Tagen entworfen und musste danach für immer abwärtskompatibel bleiben.
- Es prüft nichts vor dem Start: Tippfehler und falsche Datentypen fallen erst auf, wenn der Code läuft, im Zweifel beim Besucher
- Es kann Seiten langsam machen: jedes Skript muss geladen und ausgeführt werden, zu viel davon kostet spürbar Ladezeit
- Es ist beim Besucher abschaltbar und einsehbar: Preise, Rechte und Prüfungen dürfen sich nie allein auf den Browser verlassen
- Für Inhalte, die Google finden soll, ist es der falsche Ort: Text gehört ins HTML, nicht in ein Skript, das ihn erst erzeugt
Für die erste Schwäche gibt es inzwischen eine etablierte Antwort: TypeScript ergänzt JavaScript um eine Prüfung vor dem Start. Die anderen Punkte bleiben eine Frage der Handwerkskunst, also der Entscheidung, was in den Browser gehört und was auf den Server.
JavaScript oder TypeScript?
Die Frage taucht in fast jedem Projektgespräch auf, dabei ist es kein Entweder-oder. TypeScript ist JavaScript mit Typangaben: Der Code sagt, welche Daten er erwartet, und ein Prüfprogramm kontrolliert das vor der Veröffentlichung. Am Ende wird alles in normales JavaScript übersetzt, im Browser läuft in beiden Fällen dasselbe. Die Entscheidung betrifft also nur die Entwicklung, nicht das Ergebnis. Als Faustregel:
- TypeScript, wenn das Projekt über Jahre wächst und mehrere Personen daran arbeiten
- TypeScript, wenn viele Daten zwischen Server und Oberfläche fließen, etwa in Portalen und Shops
- Reines JavaScript für kleine Ergänzungen an bestehenden Seiten, wo ein Übersetzungsschritt mehr Aufwand als Nutzen bringt
- Reines JavaScript für Skripte, die einmal laufen und dann weg sind
Wir starten neue Projekte in TypeScript und bleiben bei reinem JavaScript, wenn wir eine bestehende Seite nur ergänzen. Beides schließt sich nicht aus: Ein Projekt lässt sich Datei für Datei umstellen, ohne dass etwas neu gebaut werden muss.
JavaScript aus Kundensicht
Für Auftraggeber hat JavaScript einen großen Vorteil, der selten ausgesprochen wird: Es gehört niemandem. Die Sprache ist ein offener Standard, kein Produkt einer Firma, und es gibt keine Lizenzkosten, weder für die Entwicklung noch für den Betrieb. Entwickler dafür zu finden ist so leicht wie für keine andere Sprache, was beim Wechsel des Dienstleisters bares Geld wert ist. Wer eine JavaScript-Anwendung besitzt, sitzt nicht in der Falle eines einzelnen Anbieters.
Die Kehrseite: Gerade weil jeder JavaScript schreiben kann, schwankt die Qualität stark. Eine Seite, die von Skripten und Effekten überladen ist, lädt langsam, und das kostet Besucher und Google-Platzierungen. Fragt euren Dienstleister deshalb ruhig, wie er mit Ladezeiten umgeht und was auf dem Server statt im Browser passiert. An der Antwort erkennt ihr schnell, ob jemand sein Handwerk versteht. Die laufenden Kosten hängen ohnehin weniger an der Sprache als an der Pflege, dazu mehr in unserem Artikel über Webseitenkosten.
Ist JavaScript die Zukunft?
An JavaScript führt auf absehbare Zeit kein Weg vorbei, denn seine Stellung ist keine Modefrage, sondern eingebaut: Es ist die Sprache, die Browser verstehen, und Milliarden Geräte haben einen Browser. Selbst Techniken, die als Konkurrenz gehandelt werden, ersetzen es nicht, sondern ergänzen es. Wer heute in JavaScript investiert, investiert in die Grundschicht des Webs.
Verändern wird sich, wie die Sprache geschrieben wird. Neue Projekte entstehen überwiegend in TypeScript, und für JavaScript selbst liegt ein Vorschlag vor, Typangaben direkt in die Sprache aufzunehmen. Auch der jährliche Standard bringt weiter neue Fähigkeiten, die alte Hilfskonstruktionen überflüssig machen.
Für Auftraggeber heißt das: Eine Investition in JavaScript veraltet nicht. Der Code von heute läuft auch im Browser von morgen, denn die Abwärtskompatibilität ist der eiserne Grundsatz des Standards. Das können nur wenige Techniken im Web von sich behaupten.
Was JavaScript stark macht

Läuft ohne Installation
Jeder Browser versteht JavaScript von Haus aus. Was ihr baut, erreicht jedes Gerät mit Browser, ohne dass jemand etwas einrichten muss.

Sofortige Rückmeldung
Eingaben werden geprüft und Preise berechnet, während der Besucher tippt. Die Seite antwortet sofort statt nach dem nächsten Laden.

Eine Sprache für alles
Mit Node.js läuft JavaScript auch auf dem Server. Oberfläche und Backend entstehen in einer Sprache, das spart Abstimmung und doppeltes Wissen.

Offener Standard
JavaScript gehört keiner Firma, sondern wird als ECMAScript öffentlich standardisiert. Keine Lizenzkosten, keine Abhängigkeit von einem Anbieter.
Was wir mit JavaScript bauen
JavaScript steckt bei uns in jedem Projekt. Drei Bereiche, in denen die Sprache die Hauptrolle spielt.

Webanwendungen
Portale und Dashboards, die sich wie Programme bedienen lassen: Daten laden im Hintergrund, die Oberfläche reagiert sofort.
Apps
Mit React Native wird aus JavaScript-Code eine App für iOS und Android, aus einer gemeinsamen Codebasis.
Onlineshops
Filter, Warenkorb und Kassenstrecke leben von schneller Rückmeldung. Genau dafür wurde JavaScript gemacht.





