
Was ist Microsoft Azure?
Microsoft Azure ist die Cloud von Microsoft und im deutschen Mittelstand besonders verbreitet. Warum das so ist, wie die Plattform funktioniert und wann der eigene Server doch gewinnt, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 9 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist Microsoft Azure?
Azure ist das Angebot von Microsoft, Rechenleistung, Speicher und Dienste zu vermieten, statt dass Unternehmen eigene Server kaufen und betreiben. Wie bei den anderen großen Plattformen wird nach Verbrauch abgerechnet: Ein Server kostet, solange er läuft, Speicher kostet nach belegtem Platz. Wer Windows Server, SQL Server oder Exchange kennt, findet in Azure die gemieteten Gegenstücke, dazu kommen Dienste, um die sich Microsoft komplett kümmert.
Der praktische Unterschied zu AWS und Google Cloud liegt nicht in der Technik, sondern in der Umgebung. In Azure wohnt die Benutzerverwaltung, an der auch Microsoft 365 hängt. Wer sich morgens am Arbeitsplatz anmeldet, kann mit derselben Anmeldung an alle Anwendungen in der Cloud, und wer das Unternehmen verlässt, verliert den Zugang an einer einzigen Stelle. Für Unternehmen, die ohnehin mit Microsoft arbeiten, ist das ein Vorteil, den die anderen Plattformen erst mühsam nachbauen müssten.
Genau deshalb ist Azure im deutschen Mittelstand so verbreitet: Dort ist Microsoft ohnehin im Einsatz, vom Office-Paket bis zur Warenwirtschaft auf einem Windows-Server. Ohne diese Vorgeschichte fällt der Hauptvorteil allerdings weg, und dann entscheidet nur noch der nüchterne Vergleich von Preis und Diensten.
- Abrechnung
- Nach Verbrauch, Lizenzen unter Bedingungen anrechenbar
- Rechenzentren in Deutschland
- Frankfurt und Berlin
- Stärken
- Anmeldung über Microsoft 365, Windows- und SQL-Server-Betrieb
- Passt besonders zu
- Unternehmen mit Microsoft 365 und Windows-Servern
- Marktposition
- Nummer zwei hinter AWS
Wie funktioniert Azure?
Microsoft betreibt Rechenzentren in Regionen weltweit, in Deutschland in Frankfurt und Berlin. Bei der Einrichtung legt ihr fest, wo eure Daten liegen, und zwar nicht nur für die Anwendung selbst, sondern auch für die Nebendinge: Sicherungen, Protokolle und Testumgebungen landen sonst gern in einer anderen Region, ohne dass es jemand merkt. Verwaltet wird alles über eine Web-Oberfläche, das Azure-Portal.
Das Herzstück ist die Benutzerverwaltung, heute Microsoft Entra ID genannt, früher Azure Active Directory. Sie kennt jeden Mitarbeiter, seine Rechte und seine Geräte, und jede Anwendung in Azure kann sich daran anschließen. Darauf aufbauend gibt es virtuelle Server für alles, was ihr selbst verwalten wollt, und verwaltete Dienste, bei denen Microsoft Updates, Sicherungen und Ausfallsicherheit übernimmt, etwa für Datenbanken oder Webanwendungen.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Ein Betrieb hat seine Warenwirtschaft auf einem Windows-Server im Technikraum, gesichert auf eine Festplatte, um die sich einmal im Monat jemand kümmert. Der Server zieht nach Azure um, die Sicherung läuft von da an automatisch, und der Außendienst kommt mit derselben Anmeldung wie am Schreibtisch an die Daten. An der Bedienung ändert sich nichts, nur der Rechner steht nicht mehr im Haus.
Wozu wird Azure verwendet?
Azure ist überall dort die naheliegende Wahl, wo Microsoft schon im Haus ist und etwas aus dem Technikraum in die Cloud soll. Typische Einsatzgebiete sind:
- Umzug von Windows- und SQL-Servern, die niemand mehr im Haus pflegen will
- Webanwendungen und Portale, an denen sich Mitarbeiter mit ihrem Microsoft-365-Konto anmelden
- Automatische Sicherungen und Notfallpläne für Systeme, die bisher auf eine Festplatte gesichert wurden
- Datenbanken mit SQL Server, gemietet statt selbst betrieben
- Zugriff von unterwegs, etwa für Außendienst und Homeoffice, ohne Bastellösungen
Wir setzen Azure vor allem dann ein, wenn bei Kunden Microsoft 365 vorhanden ist. Dann hängen wir Anwendungen an die bestehende Anmeldung, damit niemand ein zweites Passwort braucht, und ziehen Server so um, dass es jederzeit einen Rückweg gibt. Was wir dabei genau übernehmen, steht auf unserer Seite zur Azure-Betreuung.
Die Geschichte von Azure
Microsoft kam später zur Cloud als Amazon. Die Plattform startete 2010 unter dem Namen Windows Azure und war zunächst eng auf die eigene Windows-Welt zugeschnitten. Der Kurswechsel kam mit dem Namen: Seit 2014 heißt die Plattform Microsoft Azure, und seitdem laufen dort auch Linux-Server, offene Datenbanken und Container ganz selbstverständlich. Aus dem Windows-Anhängsel wurde eine Plattform für alles, und über die Bindung an Microsoft 365 wuchs sie zur Nummer zwei der Branche.
- Erschienen
- 2010, zuerst als Windows Azure
- Betrieben von
- Microsoft
- Umbenannt
- 2014 in Microsoft Azure
- Besonders verbreitet
- Im Mittelstand mit vorhandener Microsoft-Umgebung
Vom Windows-Anhang zur Plattform

Der Start
Microsoft bringt seine Cloud unter dem Namen Windows Azure an den Markt. Der Name ist Programm: Zunächst dreht sich fast alles um Windows-Anwendungen.
2010
Was Azure nicht kann
Azure ist eine gute Plattform mit einem sehr spezifischen Vorteil, und genau daraus ergeben sich die Grenzen. Wer sie kennt, entscheidet besser:
- Ohne Microsoft im Haus fällt der Hauptvorteil weg: Die gemeinsame Anmeldung nützt nur, wenn es Microsoft 365 gibt
- Die Preisstruktur ist kompliziert, mit Lizenzanrechnungen und Reservierungen, die ohne Beratung schwer zu durchschauen sind
- Für eine normale Firmenwebseite ist Azure zu groß gedacht, da reicht einfaches Hosting
- Microsoft ist ein US-Unternehmen, und je nach Branche bleibt das eine Frage, die ihr für euch beantworten müsst
Nichts davon macht Azure schlechter als die Konkurrenz. Es macht nur deutlich, dass die Plattform ihre Stärken in einer bestimmten Ausgangslage ausspielt und in anderen nicht.
Azure oder eigene Server?
Die Frage, die sich im Mittelstand wirklich stellt, lautet selten Azure oder AWS, sondern: Cloud oder der Server im Technikraum? Der eigene Server wirkt günstig, weil er schon da ist. Ehrlich gerechnet gehören aber Stromkosten, Ersatzhardware, Sicherungen und vor allem die Arbeitszeit dazu, die jemand in Updates und Pflege steckt. Eine Orientierung:
- Die Hardware müsste ohnehin ersetzt werden: ein guter Zeitpunkt für den Umzug nach Azure
- Niemand im Haus kümmert sich verlässlich um Updates und Sicherungen: die Cloud nimmt euch genau das ab
- Außendienst und Homeoffice brauchen Zugriff: in Azure ist das eingebaut, beim Server im Haus eine Bastellösung
- Die Last ist konstant und die Hardware vorhanden und gepflegt: dann kann der eigene Server günstiger bleiben
- Eure Branche verlangt, dass bestimmte Daten das Haus nicht verlassen: dann bleibt ein Teil eben dort
Oft ist die Antwort ein Mittelweg: Die Warenwirtschaft zieht um, die Maschine in der Fertigung behält ihren Rechner vor Ort. Wichtig ist, dass beide Rechnungen inklusive Arbeitszeit nebeneinander liegen, bevor entschieden wird. Genau das machen wir in der Cloud-Beratung.
Azure aus Kundensicht
Für Auftraggeber bedeutet Azure vor allem: weniger eigene Technik im Haus und laufende Kosten statt Anschaffungen. Der Server, der alle fünf Jahre ersetzt werden musste, verschwindet aus der Bilanz, dafür kommt eine monatliche Rechnung, die mit der Nutzung schwankt. Vorhandene Windows- und SQL-Server-Lizenzen lassen sich unter Bedingungen anrechnen, was den Preisvergleich gegenüber den anderen Anbietern verschiebt und in vielen Fällen zugunsten von Azure entscheidet.
Die Abhängigkeit von Microsoft ist dabei ein Punkt, den man nüchtern sehen sollte: Wer Microsoft 365 nutzt, ist ohnehin gebunden, und Azure vertieft diese Bindung eher, als dass es sie neu schafft. Bei personenbezogenen Daten gehört ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit Microsoft dazu, und die Zugriffsrechte gehören regelmäßig geprüft, denn die beste Benutzerverwaltung hilft nichts, wenn ehemalige Mitarbeiter noch Konten haben. Solche Prüfungen gehören bei uns zur IT-Sicherheit.
Ist Azure die Zukunft?
Für Unternehmen mit Microsoft-Umgebung ist Azure weniger Zukunft als logische Fortsetzung der Gegenwart. Microsoft verlagert sein gesamtes Geschäft in die Cloud, von Office über die Benutzerverwaltung bis zu den KI-Diensten, und Azure ist das Fundament darunter. Dass diese Plattform an Bedeutung verliert, ist nicht absehbar, eher das Gegenteil.
Trotzdem lohnt der nüchterne Blick: Azure gewinnt dort, wo die Microsoft-Bindung besteht, und nur dort. Wer eine neue Anwendung ohne Windows-Anteil baut, sollte AWS und Google Cloud ehrlich danebenlegen, und wer nur eine Webseite betreiben will, braucht gar keine der drei Plattformen. Die Zukunftsfrage beantwortet sich also weniger am Anbieter als an eurer eigenen IT-Landschaft, und die kennt ihr besser als jeder Marktbericht.
Was Azure stark macht

Eine Anmeldung für alles
Mitarbeiter melden sich mit ihrem Microsoft-365-Konto an, auch an euren eigenen Anwendungen. Beim Ausscheiden wird der Zugang an einer Stelle entzogen.

Vertraute Technik
Windows-Server und SQL Server ziehen mit wenig Umbau um. Was im Technikraum lief, läuft in Azure weiter, nur ohne die Hardware im Haus.

Sicherung eingebaut
Statt der Festplatte, um die sich einmal im Monat jemand kümmert, laufen Sicherungen automatisch und lassen sich im Ernstfall geprüft zurückspielen.

Daten in Deutschland
Regionen in Frankfurt und Berlin, bei der Einrichtung festgelegt. Auch Sicherungen und Protokolle bleiben dann im Land, wenn man es richtig aufsetzt.
Wobei wir euch unterstützen
Vom ehrlichen Kostenvergleich mit dem eigenen Server bis zum Betrieb eurer Azure-Umgebung.

Cloud-Lösungen
Wir rechnen Cloud und eigenen Server gegeneinander, inklusive Arbeitszeit, und ziehen um, wenn es sich lohnt.
IT-Sicherheit
Zugriffsrechte, Anmelderegeln und Sicherungen: Wir prüfen und härten eure Microsoft-Umgebung.
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