
Was ist MS SQL Server?
Der SQL Server ist die Datenbank von Microsoft und steckt in vielen ERP-Systemen im Mittelstand. Woher er kommt, was er kostet und wann MySQL oder PostgreSQL die bessere Wahl sind, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 9 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist MS SQL Server?
Der Microsoft SQL Server ist eine relationale Datenbank. Relational heißt: Daten stehen in Tabellen mit festen Spalten, und die Tabellen verweisen aufeinander. Eine Bestellung zeigt auf einen Kunden, eine Rechnungsposition auf einen Artikel. Herausgesucht werden die Daten mit SQL, der Abfragesprache, die praktisch jede Datenbank dieser Art versteht. Microsoft hat SQL um eigene Befehle erweitert und nennt diese Fassung T-SQL.
Im Alltag begegnet einem der SQL Server selten als freie Entscheidung. Er kommt mit der Unternehmenssoftware ins Haus: Microsoft Dynamics, Sage und viele Branchenlösungen legen ihre Daten dort ab. Wer als Geschäftsführer wissen will, wo die eigenen Aufträge, Artikel und Kunden wirklich liegen, landet deshalb oft bei einer SQL-Server-Datenbank auf einem Windows Server im Keller oder im Rechenzentrum des IT-Dienstleisters.
So sieht eine typische Abfrage aus: Sie verbindet die Tabelle der Kunden mit der Tabelle der Bestellungen und rechnet den Umsatz je Firma aus. Die Datenbank erledigt das selbst, die Anwendung bekommt nur das fertige Ergebnis. Genau diese Fähigkeit macht relationale Datenbanken seit Jahrzehnten zum Rückgrat von Geschäftsanwendungen.
SELECT k.Firma, SUM(b.Summe) AS Umsatz
FROM Kunden k
JOIN Bestellungen b ON b.KundenId = k.Id
WHERE b.Datum >= '2026-01-01'
GROUP BY k.Firma
ORDER BY Umsatz DESC;Wie funktioniert der SQL Server?
Der SQL Server läuft als Dienst auf einem Server, klassisch unter Windows, seit 2017 auch unter Linux. Anwendungen verbinden sich über das Netzwerk mit ihm, schicken Abfragen und bekommen Ergebnisse zurück. Verwaltet wird er meist über das SQL Server Management Studio, ein Programm, mit dem Administratoren Tabellen ansehen, Benutzer anlegen und Sicherungen einrichten.
Eine Besonderheit ist T-SQL. Damit lassen sich nicht nur Daten abfragen, sondern ganze Abläufe direkt in der Datenbank hinterlegen, sogenannte gespeicherte Prozeduren. Viele ERP-Systeme legen dort einen Teil ihrer Geschäftslogik ab: Was passiert, wenn eine Rechnung storniert wird, steht dann nicht in der Anwendung, sondern in der Datenbank. Das ist praktisch, bindet aber auch, denn solche Prozeduren laufen nur auf dem SQL Server.
Die zweite Besonderheit ist die Umgebung. Der SQL Server versteht sich mit dem Rest der Microsoft-Welt: Anmeldung über Active Directory, Berichte über die eingebauten Reporting Services, Entwicklung mit C# und .NET. Wer seine IT ohnehin auf Windows Server aufgebaut hat, bekommt Rechte, Sicherungen und Überwachung aus einem Guss. Genau dieser Verbund ist der Grund, warum viele Firmen bei ihm bleiben.
Wozu wird SQL Server verwendet?
Der SQL Server ist die Hausdatenbank des Mittelstands, überall dort, wo Microsoft-Software den Ton angibt. Typische Einsatzgebiete sind:
- ERP- und Warenwirtschaftssysteme wie Microsoft Dynamics oder Sage, deren Daten komplett im SQL Server liegen
- Branchensoftware für Handwerk, Handel und Fertigung, die der Hersteller nur auf dem SQL Server unterstützt
- Auswertungen und Berichte über Firmendaten, direkt auf der Datenbank oder über angeschlossene Werkzeuge wie Power BI
- Eigenentwicklungen im .NET-Umfeld, etwa interne Verwaltungsprogramme, die über Jahre gewachsen sind
- Portale und Schnittstellen, die Daten aus dem ERP nach außen verfügbar machen
Unsere Rolle dabei ist meist der letzte Punkt. Wir setzen den SQL Server nicht neu auf, sondern holen Daten aus bestehenden Installationen in Webanwendungen: Ein Kundenportal zeigt den Fertigungsstand aus dem ERP, eine Auswertung fasst Bestellungen zusammen, eine Schnittstelle versorgt die Webseite mit aktuellen Artikeldaten. Am ERP selbst ändern wir dabei nichts, damit der Support des Herstellers gültig bleibt. Der Zugriff läuft lesend über einen eigenen Benutzer, der nur die nötigen Tabellen sehen darf.
Die Geschichte des SQL Servers
Der SQL Server ist eines der ältesten Produkte im Microsoft-Katalog. Die erste Fassung erschien 1989, damals noch gemeinsam mit der Firma Sybase, deren Datenbank Microsoft für seine eigenen Betriebssysteme übernahm. Mitte der Neunziger trennten sich die Wege, und Microsoft entwickelte den SQL Server allein weiter. Seitdem erscheint etwa alle zwei bis drei Jahre eine neue Version, und aus dem Beiwerk zum Betriebssystem wurde eine tragende Säule des Microsoft-Geschäfts mit Firmenkunden.
- Erschienen
- 1989, erste Fassung gemeinsam mit Sybase
- Entwickelt von
- Microsoft
- Art
- Relationale Datenbank, Abfragen mit T-SQL
- Kosten
- Lizenz je Prozessorkern oder Server, Express-Edition bis 10 GB gratis
- Läuft auf
- Windows Server, seit 2017 auch Linux
Von Sybase zu Microsoft

Der Anfang
Microsoft bringt den SQL Server gemeinsam mit Sybase auf den Markt, zunächst für das Betriebssystem OS/2. Die Datenbank ist ein Zukauf, kein Eigengewächs.
1989
Die Grenzen des SQL Servers
Technisch kann der SQL Server sehr viel, seine Grenzen liegen woanders: beim Geld und bei der Bindung. Wer ihn einsetzt, sollte diese Punkte kennen:
- Er kostet Lizenzgebühren, gezählt je Prozessorkern oder je Server plus Zugriffslizenzen. Freie Datenbanken wie PostgreSQL bieten Vergleichbares ohne diesen Posten
- Die kostenlose Express-Edition endet bei zehn Gigabyte je Datenbank und begrenztem Arbeitsspeicher, für den Produktivbetrieb reicht das selten
- Gespeicherte Prozeduren in T-SQL laufen nur auf dem SQL Server. Je mehr Logik dort liegt, desto schwerer wird ein späterer Wechsel
- Im Web-Hosting spielt er praktisch keine Rolle: WordPress, Shops und die üblichen Hosting-Pakete erwarten MySQL, nicht den SQL Server
Keiner dieser Punkte macht den SQL Server zu einer schlechten Datenbank. Sie erklären nur, warum er in seiner Nische stark ist und außerhalb davon selten auftaucht.
SQL Server oder MySQL?
Die beiden begegnen sich seltener im Wettbewerb, als man denkt, denn sie leben in verschiedenen Welten. MySQL ist die Datenbank des Webs: Sie liegt jedem Hosting-Paket bei, und WordPress, WooCommerce und Shopware setzen sie voraus. Der SQL Server ist die Datenbank der Unternehmenssoftware: Er kommt mit dem ERP ins Haus und lebt auf dem Windows Server der Firma. Die Entscheidung trifft deshalb meist die Software, nicht ihr. Als Faustregel:
- Webseite, Blog oder Onlineshop: MySQL, weil die Systeme und die Hoster darauf ausgelegt sind
- ERP, Warenwirtschaft oder Branchensoftware aus dem Microsoft-Umfeld: SQL Server, weil der Hersteller ihn vorschreibt
- Eigenentwicklung ohne Vorgaben: eher PostgreSQL, das die Fähigkeiten des SQL Servers ohne Lizenzkosten bietet
- Anbindung von Web an ERP: beides nebeneinander, verbunden über eine Schnittstelle
Der letzte Fall ist unser Alltag: vorne eine Webanwendung mit MySQL oder PostgreSQL, hinten das ERP auf dem SQL Server, dazwischen eine Schnittstelle, die genau die Daten überträgt, die gebraucht werden. Die Frage lautet dann nicht entweder oder, sondern wer redet mit wem.
SQL Server aus Kundensicht
Für Auftraggeber ist der SQL Server vor allem ein Kostenposten, der schon da ist. Die Lizenzen sind mit dem ERP bezahlt, ein Administrator oder Systemhaus kümmert sich um den Betrieb. Die eigentliche Frage lautet deshalb selten, ob man ihn haben will, sondern was man aus ihm herausholt. In der Datenbank liegen oft Jahre an Aufträgen, Artikeln und Kundenhistorie, die nur das ERP selbst anzeigt, und das meist umständlicher als nötig.
Genau da lohnt sich ein zweiter Blick. Ein lesender Zugriff auf die richtige Tabelle macht aus totem Datenbestand ein Kundenportal, eine Liefertermin-Auskunft oder eine Auswertung, auf die der Vertrieb seit Jahren wartet. Wichtig ist, das sauber zu tun: eigener Benutzer, nur Leserechte, keine Änderungen am ERP, damit der Herstellersupport bestehen bleibt. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zum SQL Server, und was zuerst zu klären ist, besprechen wir in einer Beratung vor dem ersten Codezeichen.
Lohnt sich SQL Server noch?
Für Firmen, die ihn bereits im Haus haben, stellt sich die Frage kaum. Das ERP schreibt ihn vor, die Abläufe sind eingespielt, und ein Datenbankwechsel unter laufender Unternehmenssoftware ist ein Projekt, das niemand ohne Not beginnt. Microsoft pflegt das Produkt weiter, liefert regelmäßig neue Versionen und lange Supportzeiträume. Wer heute auf dem SQL Server arbeitet, arbeitet dort auch in zehn Jahren noch, wenn er will.
Anders sieht es bei neuen Projekten ohne Microsoft-Bindung aus. Dort spricht wenig für Lizenzkosten, wenn PostgreSQL dieselben Aufgaben löst und sich zudem freier hosten lässt. Auch Microsoft selbst trägt dieser Entwicklung Rechnung: In Azure gibt es den SQL Server als gemieteten Dienst neben PostgreSQL und MySQL, der Kunde wählt. Der SQL Server verschwindet also nicht, aber er wandert dorthin zurück, wo er am stärksten ist: unter die Unternehmenssoftware.
Was SQL Server stark macht

Zu Hause im ERP
Dynamics, Sage und viele Branchenlösungen bauen auf ihm auf. Wer deren Daten nutzen will, kommt am SQL Server nicht vorbei.

Alles aus einem Guss
Anmeldung über Active Directory, Berichte, Sicherungen und Rechte greifen ineinander. In Windows-Umgebungen spart das laufend Abstimmung.

Auswertungen inklusive
T-SQL, Reporting Services und der Anschluss an Power BI machen aus Rohdaten Berichte, ohne dass ein zweites System nötig wird.

Lange Supportzeiten
Microsoft pflegt jede Version über viele Jahre und kündigt Enden früh an. Für Firmen heißt das planbare Wartung statt überraschender Umstiege.
Was wir damit bauen
Wir setzen den SQL Server nicht neu auf, wir machen etwas aus dem, der schon da ist. Drei typische Aufgaben aus unseren Projekten.

Kundenportale
Auftragsstatus, Liefertermine und Dokumente aus dem ERP, lesbar für eure Kunden statt nur für die Sachbearbeitung.
Beratung
Welche Daten stecken in eurer Datenbank, was darf man damit, und was ist der kürzeste Weg zum Nutzen? Das klären wir vor dem Bauen.
Betrieb und Wartung
Sicherungen mit geprüftem Zurückspielen, Überwachung und ein Ansprechpartner, wenn eine Abfrage plötzlich Minuten braucht.






