
Was ist MySQL?
MySQL ist die Datenbank hinter den meisten Webseiten und Shops, oft ohne dass die Betreiber es wissen. Woher sie kommt, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen, verständlich erklärt.
- Lesezeit
- 10 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist MySQL?
MySQL ist ein Programm, das Daten geordnet aufbewahrt und auf Anfrage wieder heraussucht. Geordnet heißt hier: in Tabellen mit festen Spalten, ähnlich wie in einer großen Excel-Mappe, nur dass die Tabellen aufeinander verweisen. In der Tabelle mit den Bestellungen steht nicht der ganze Kunde noch einmal, sondern nur ein Verweis auf seine Zeile in der Kundentabelle. Fachleute nennen das eine relationale Datenbank.
Gefragt wird die Datenbank in SQL, einer Sprache, die seit den Achtzigern existiert und die praktisch jede Datenbank dieser Art versteht. Eine Anfrage liest sich fast wie ein englischer Satz: wähle diese Spalten, aus dieser Tabelle, unter dieser Bedingung. Die Anwendung, etwa ein Shop, formuliert solche Anfragen im Hintergrund bei jedem Seitenaufruf, und MySQL liefert die passenden Zeilen zurück.
Dass ausgerechnet MySQL zum Standard im Web wurde, hat weniger mit Technik zu tun als mit Verfügbarkeit. Die Datenbank ist in einer freien Fassung kostenlos, läuft sparsam auch auf kleinen Servern und liegt deshalb seit Jahrzehnten jedem gängigen Hosting-Paket bei. Wer heute eine Webseite mit WordPress startet, bekommt MySQL automatisch dazu, meist ohne je eine Entscheidung dafür getroffen zu haben.
SELECT vorname, nachname, email
FROM kunden
WHERE plz = '46045'
ORDER BY nachname;Wie funktioniert MySQL?
MySQL läuft als eigenständiger Dienst auf einem Server und wartet dort auf Anfragen. Die Webseite oder Anwendung verbindet sich mit diesem Dienst, schickt ihre SQL-Anfrage und bekommt das Ergebnis zurück. Mehrere Anwendungen können gleichzeitig mit derselben Datenbank sprechen, und MySQL sorgt dafür, dass sich die Zugriffe nicht in die Quere kommen. Schreibt der Shop gerade eine Bestellung, liest die Auswertung daneben trotzdem einen sauberen Stand.
Damit Anfragen schnell bleiben, arbeitet MySQL mit Indizes. Ein Index ist ein Register wie im Buch: Statt jede Zeile durchzugehen, springt die Datenbank direkt zur richtigen Stelle. Fehlt der Index auf einer viel gefragten Spalte, wird genau das zur häufigsten Ursache für langsame Seiten. Die zweite wichtige Fähigkeit sind Verknüpfungen: Eine einzige Anfrage kann Kunden und Bestellungen zusammenbringen und dabei gleich zählen und sortieren.
Wichtig ist außerdem, was MySQL verweigert. Wer versucht, eine Bestellung für einen Kunden zu speichern, den es nicht gibt, bekommt einen Fehler statt eines kaputten Datensatzes. Diese eingebauten Regeln sind der eigentliche Wert einer relationalen Datenbank: Die Daten bleiben auch dann widerspruchsfrei, wenn die Anwendung darüber Fehler macht.
SELECT k.firma, COUNT(*) AS bestellungen
FROM bestellungen b
JOIN kunden k ON k.id = b.kunde_id
WHERE b.bestellt_am >= '2026-01-01'
GROUP BY k.firma
ORDER BY bestellungen DESC;Wozu wird MySQL verwendet?
Überall dort, wo eine Webseite mehr tut als Text anzeigen. Sobald Inhalte gepflegt, Bestellungen gespeichert oder Nutzer angemeldet werden, liegt darunter eine Datenbank, und im Web ist das in den meisten Fällen MySQL. Typische Einsatzgebiete sind:
- Webseiten mit einem Redaktionssystem wie WordPress oder TYPO3, deren Texte, Bilder und Einstellungen komplett in MySQL liegen
- Onlineshops mit WooCommerce oder Shopware, von den Artikeln über die Warenkörbe bis zu den Bestellungen
- Kundenportale und interne Anwendungen, in denen Termine, Aufträge und Dokumente verwaltet werden
- Buchungs- und Reservierungssysteme, bei denen viele Nutzer gleichzeitig auf denselben Bestand zugreifen
- Kleine Firmenanwendungen, die eine Excel-Liste ablösen, die zu groß geworden ist
Bei uns ist MySQL Alltag: Fast jede WordPress-Seite und jeder Shop, den wir betreuen, speichert seine Daten in MySQL oder der Schwester MariaDB. Ein großer Teil dieser Arbeit ist unspektakulär und genau deshalb wertvoll: Sicherungen einrichten, Indizes prüfen, alte Datenreste aufräumen. Eine Webseite, die nach Jahren langsam geworden ist, wird oft in der Datenbank wieder schnell, ohne dass am sichtbaren Teil etwas geändert wird.
Die Geschichte von MySQL
MySQL wurde 1995 von Michael Widenius und David Axmark veröffentlicht, der Name stammt von Widenius' Tochter My. Ihre Firma MySQL AB verschenkte die Datenbank in einer freien Fassung und verkaufte daneben Lizenzen und Support, ein damals ungewöhnliches Modell, das aufging: MySQL wurde zur Standarddatenbank des wachsenden Webs. 2008 kaufte Sun Microsystems die Firma für rund eine Milliarde Dollar, 2010 übernahm Oracle Sun und damit auch MySQL. Aus Sorge um die Unabhängigkeit spaltete Widenius noch 2009 den Quellcode ab und startete MariaDB.
- Erschienen
- 1995
- Entwickelt von
- MySQL AB, heute Oracle
- Lizenz
- Freie Fassung unter GPL, daneben eine kommerzielle von Oracle
- Abfragesprache
- SQL, der Standard relationaler Datenbanken
- Verbreitung
- Die meistgenutzte quelloffene Datenbank im Web
Vom freien Projekt zum Webstandard

Veröffentlichung
Michael Widenius und David Axmark veröffentlichen MySQL, benannt nach Widenius' Tochter My. Die freie Fassung verbreitet sich schnell unter Webentwicklern.
1995
Was MySQL nicht kann
MySQL ist auf den häufigsten Fall gebaut: viele einfache Anfragen, schnell beantwortet. Wer davon abweicht, merkt die Grenzen. Sie sprechen nicht gegen die Datenbank, aber man sollte sie kennen, bevor man ein Projekt darauf plant.
- Komplizierte Auswertungen über viele Tabellen, etwa Berichte mit Zeitreihen oder Rangfolgen, sind möglich, aber mühsamer als in PostgreSQL
- Datensätze, die alle unterschiedlich aussehen, passen schlecht in feste Spalten, dafür gibt es Dokumentendatenbanken wie MongoDB
- Ohne Pflege wird MySQL mit den Jahren langsam: fehlende Indizes und alte Datenreste bremsen jede Anfrage
- Die Weiterentwicklung liegt bei Oracle, und wer davon unabhängig bleiben will, muss zur Abspaltung MariaDB greifen
Für eine Webseite oder einen Shop mit klaren Datenstrukturen spielt keiner dieser Punkte eine Rolle. Sie werden erst wichtig, wenn aus dem Projekt eine eigene Anwendung mit ernsthaften Auswertungen wird, und dann ist die Wahl der Datenbank ohnehin eine eigene Entscheidung wert.
MySQL oder PostgreSQL?
Die Frage wird oft grundsätzlicher diskutiert, als sie ist, denn meistens beantwortet sie die Software darüber. WordPress, WooCommerce und Shopware setzen MySQL voraus, da gibt es nichts zu entscheiden. Offen ist die Wahl nur bei selbst entwickelten Anwendungen, und dort hilft ein ehrlicher Blick auf die eigenen Daten. MySQL ist die richtige Wahl, wenn:
- ein fertiges System wie WordPress oder Shopware die Datenbank ohnehin vorgibt
- die Daten eine feste, überschaubare Form haben: Kunden, Produkte, Bestellungen, Termine
- das Projekt auf normalem Webhosting laufen soll, wo MySQL immer dabei ist
- das Team oder der bisherige Dienstleister MySQL kennt und keine besonderen Anforderungen dazukommen
PostgreSQL lohnt sich dagegen, wenn die Auswertungen anspruchsvoll werden, wenn Geodaten oder Volltextsuche gebraucht werden oder wenn eine Anwendung von Grund auf neu entsteht und über Jahre wachsen soll. Wo die Grenze im Einzelfall liegt, steht ausführlicher auf unserer Seite zur MySQL-Betreuung, inklusive der Fälle, in denen wir von MySQL abraten.
MySQL aus Kundensicht
Für Auftraggeber ist MySQL zunächst eine gute Nachricht bei den Kosten: Die freie Fassung kostet keine Lizenzgebühren, und weil jedes Hosting-Paket sie mitbringt, braucht es keinen Sonderserver. Genauso wichtig ist die Unabhängigkeit. MySQL kennt praktisch jeder Entwickler und jeder Hoster, ein Wechsel des Dienstleisters oder des Servers scheitert also nicht an der Datenbank. Wer schon einmal an einem exotischen System festhing, weiß, was das wert ist.
Die laufenden Kosten entstehen an anderer Stelle: beim Betrieb. Eine Datenbank braucht Sicherungen, die auch wirklich zurückgespielt werden können, Aktualisierungen und ab und zu einen Blick auf langsam gewordene Anfragen. Das ist keine große Sache, aber es muss jemand tun. Bei uns gehört das zu Hosting und Wartung, und die ehrliche Erfahrung ist: Die meisten Datenbankprobleme, die uns erreichen, sind aufgeschobene Pflege, nicht Schwächen von MySQL.
Lohnt sich MySQL noch?
Ja, und zwar gerade weil MySQL unaufgeregt ist. Die Datenbank wird seit drei Jahrzehnten weiterentwickelt, ihre Fehler sind bekannt und behoben, und Millionen Installationen liefern jeden Tag den Beweis, dass sie ihre Arbeit macht. Für Webseiten und Shops zählt genau das: nicht die neueste Idee, sondern etwas, das in fünf Jahren noch läuft und für das sich dann noch jemand findet, der es kennt.
Dass mit MariaDB eine vollständig freie Abspaltung existiert, macht die Entscheidung zusätzlich entspannt. Sollte Oracle die freie Fassung je vernachlässigen, steht der Wechselweg offen und ist bei normalen Webseiten überschaubar. Wer heute auf MySQL setzt, bindet sich also nicht fest, sondern wählt den Weg mit den meisten Ausgängen.
Nüchtern betrachtet ist die Frage nach der Zukunft von MySQL für die meisten Unternehmen auch die falsche Frage. Wichtiger ist, ob die eigene Datenbank gesichert, aktuell und aufgeräumt ist. Eine gepflegte MySQL-Datenbank überlebt jede Moden-Debatte.
Was MySQL stark macht

Überall verfügbar
MySQL liegt praktisch jedem Hosting-Paket bei. Kein Sonderserver, keine Installation, keine Diskussion mit dem Hoster.

Das Web baut darauf
WordPress, WooCommerce, Shopware und TYPO3 setzen MySQL voraus. Wer diese Systeme nutzt, hat die bewährteste Kombination des Webs.

Drei Jahrzehnte Reife
Seit 1995 im Dauereinsatz, die Fehler sind gefunden und behoben. Für Daten, die nicht verloren gehen dürfen, zählt genau das.

Jeder kennt es
MySQL beherrscht praktisch jeder Entwickler und jeder Hoster. Ein Wechsel des Dienstleisters scheitert nie an der Datenbank.
Wo wir MySQL einsetzen
MySQL steckt in den meisten Projekten, die wir bauen und betreuen. Drei davon sind typisch.

Onlineshops
Shops mit WooCommerce oder Shopware, deren Artikel, Kunden und Bestellungen in MySQL liegen und dort schnell bleiben.
Webanwendungen
Portale und interne Werkzeuge mit eigener Datenbankstruktur, sauber modelliert statt gewachsen.
Hosting und Wartung
Sicherungen mit geprobtem Zurückspielen, Aktualisierungen und Aufräumen, wenn eine Datenbank über die Jahre langsam wurde.






