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Was ist MariaDB?

MariaDB ist die freie Abspaltung von MySQL, gestartet von den Leuten, die MySQL erfunden haben. Warum es sie gibt, worin sie sich von MySQL unterscheidet und für wen sie die bessere Wahl ist.

Lesezeit
9 Minuten
Autor
Samet Akin
Veröffentlicht

Was ist MariaDB?

MariaDB ist eine relationale Datenbank: Daten liegen in Tabellen mit festen Spalten, die Tabellen verweisen aufeinander, und gefragt wird in der Sprache SQL. So weit ist das dieselbe Beschreibung wie bei MySQL, und das ist kein Zufall. MariaDB begann als exakte Kopie des MySQL-Quellcodes und wurde von dort aus eigenständig weiterentwickelt. Fachleute nennen so etwas einen Fork, eine Abspaltung.

Der Unterschied liegt weniger in der Technik als in der Frage, wem die Datenbank gehört. MySQL ist Eigentum von Oracle, das neben der freien auch eine kommerzielle Fassung verkauft. MariaDB steht vollständig unter der freien GPL-Lizenz, es gibt keine zweite Fassung des Kerns, hinter der Funktionen auf zahlende Kunden warten. Gepflegt wird sie von der MariaDB Foundation gemeinsam mit einer Firma und einer offenen Gemeinschaft.

Für die Anwendung darüber ist der Unterschied kaum zu sehen. Eine Abfrage wie die folgende läuft in MariaDB und MySQL unverändert und liefert dasselbe Ergebnis:

SELECT artikel, preis
FROM produkte
WHERE lagerbestand > 0
ORDER BY preis;

Wie funktioniert MariaDB?

Genau wie MySQL läuft MariaDB als Dienst auf einem Server, nimmt Verbindungen von Anwendungen an und beantwortet deren SQL-Anfragen. Auch die Werkzeuge und Treiber sind dieselben: Ein WordPress, ein Shop oder ein selbst geschriebenes Programm verbindet sich mit MariaDB über exakt denselben Weg wie mit MySQL und merkt im Normalfall nicht, mit wem es spricht. Deshalb funktioniert der Austausch der einen Datenbank gegen die andere bei gewöhnlichen Webseiten so unauffällig.

Seit der Abspaltung 2009 entwickeln sich beide Projekte aber getrennt weiter, und die Wege laufen langsam auseinander. MariaDB hat eigene Versionsnummern, eigene Speicher-Engines und setzt manche neuere Funktion anders um als MySQL, sichtbar etwa beim Umgang mit JSON-Daten. Für Webseiten und Shops spielt das keine Rolle, weil sie nur den gemeinsamen Kern nutzen. Relevant wird es bei Anwendungen, die gezielt Besonderheiten der einen Seite verwenden, und genau danach sucht man vor einem Wechsel.

Auch diese Auswertung ist in beiden Datenbanken identisch. Man kann sich MariaDB und MySQL als zwei Dialekte derselben Sprache vorstellen: Im Alltag versteht man sich ohne nachzudenken, nur bei seltenen Wörtern muss man kurz stutzen.

SELECT k.firma, SUM(b.betrag) AS umsatz
FROM bestellungen b
JOIN kunden k ON k.id = b.kunde_id
GROUP BY k.firma
ORDER BY umsatz DESC;

Wozu wird MariaDB verwendet?

Für dieselben Aufgaben wie MySQL: als Datenbank hinter Webseiten, Shops und Portalen. In der Praxis begegnet einem MariaDB vor allem dort, wo Linux-Server im Spiel sind, denn viele Distributionen und Hoster liefern sie als Standard aus. Typische Einsatzgebiete sind:

  • Webseiten mit WordPress oder TYPO3, die auf einem Hosting-Paket mit MariaDB als Voreinstellung laufen
  • Onlineshops, deren Artikel und Bestellungen in Tabellen mit fester Struktur liegen
  • Kundenportale und interne Anwendungen auf eigenen Linux-Servern
  • Umzüge bestehender MySQL-Projekte, wenn der neue Server nur MariaDB anbietet
  • Firmen, die bewusst auf vollständig quelloffene Software setzen

Bei uns taucht MariaDB am häufigsten bei Serverumzügen auf: Der neue Hoster liefert MariaDB, die alte Seite lief auf MySQL. Solche Wechsel fahren wir zuerst auf einer Kopie durch und schalten erst um, wenn dort dieselben Zahlen herauskommen wie im Original. Das klingt vorsichtig für einen Wechsel, der als unspektakulär gilt, aber genau diese Probe findet die eine Abfrage, die auf eine MySQL-eigene Schreibweise setzt, bevor sie im Livebetrieb auffällt.

Die Geschichte von MariaDB

MariaDB verdankt ihre Existenz einer Übernahme. 2008 kaufte Sun Microsystems die Firma MySQL AB, 2010 übernahm Oracle Sun, und damit gehörte die meistgenutzte freie Datenbank des Webs plötzlich einem Konzern, der mit seiner eigenen Datenbank Geld verdient. Michael Widenius, der MySQL einst mitentwickelt und nach seiner Tochter My benannt hatte, wollte das nicht abwarten. Noch 2009 spaltete er den Quellcode ab und benannte das neue Projekt nach seiner jüngeren Tochter Maria. 2012 gründete er die MariaDB Foundation, die seither dafür sorgt, dass die Datenbank frei bleibt und keinem einzelnen Unternehmen gehört.

Erschienen
2009 als Abspaltung von MySQL
Gestartet von
Michael Widenius, dem MySQL-Miterfinder
Gepflegt von
MariaDB Foundation und offener Gemeinschaft
Lizenz
GPL, vollständig quelloffen, keine kommerzielle Fassung des Kerns
Verbreitung
Voreinstellung vieler Linux-Distributionen und Hoster

Von der Abspaltung zur Voreinstellung

Zwei Bildschirme mit Code in einem dunklen Büro

Die Abspaltung

Als Oracle mit Sun auch MySQL übernimmt, spaltet Michael Widenius den Quellcode ab. Das neue Projekt heißt MariaDB, nach seiner Tochter Maria.

2009

Die Grenzen von MariaDB

MariaDB erbt die Grenzen von MySQL und bringt ein paar eigene mit. Wer die Datenbank ehrlich einordnen will, sollte diese Punkte kennen:

  • Sie ist kein vollständiger Zwilling von MySQL mehr: Bei neueren Funktionen wie dem Umgang mit JSON gehen beide eigene Wege, was bei speziellen Anwendungen Anpassungen bedeutet
  • Gekaufte Software mit Supportvertrag gibt oft nur MySQL frei, und dann zählt die Freigabe, nicht die technische Nähe
  • Manche Cloud-Dienste und Werkzeuge testen zuerst gegen MySQL, MariaDB kommt dort später oder gar nicht dran
  • Für anspruchsvolle Auswertungen über viele Tabellen gilt dasselbe wie bei MySQL: PostgreSQL kommt mit weniger Umwegen zum Ziel

Keiner dieser Punkte betrifft die gewöhnliche Webseite oder den gewöhnlichen Shop. Sie betreffen Sonderfälle, und genau deshalb gehört vor jeden Wechsel eine kurze Prüfung, ob so ein Sonderfall vorliegt.

MariaDB oder MySQL?

Technisch sind beide für Webseiten und Shops gleichwertig, die Entscheidung fällt an anderen Stellen. Es lohnt sich, drei Fragen in dieser Reihenfolge zu stellen: Was gibt die Software vor, was bietet der Hoster an, und wie wichtig ist euch die Unabhängigkeit von einem Hersteller? MariaDB ist die passende Wahl, wenn:

  • der Hoster oder das Linux-System sie ohnehin als Standard mitbringt
  • ihr vollständig quelloffene Software bevorzugt, ohne kommerzielle Fassung im Hintergrund
  • keine gekaufte Software im Spiel ist, die ausdrücklich nur MySQL freigibt
  • ein Serverumzug ansteht und der neue Anbieter MariaDB ausliefert

MySQL bleibt die richtige Wahl, wenn eine Branchenlösung es vorschreibt, wenn euer Cloud-Anbieter nur MySQL als Dienst anbietet oder wenn eure bestehende Installation schlicht läuft und niemand ein Problem hat. Ein Wechsel ohne Anlass ist Arbeit ohne Gegenwert. Wie wir einen begründeten Wechsel angehen, steht auf unserer Seite zur MariaDB-Betreuung.

MariaDB aus Kundensicht

Für Auftraggeber ist an MariaDB vor allem eines interessant: Es gibt keinen Hersteller, der irgendwann die Bedingungen ändern kann. Der gesamte Kern ist frei, Lizenzkosten können nicht entstehen, auch nicht später, und die Entwicklung hängt nicht an den Geschäftsinteressen eines einzelnen Konzerns. Bei einer Datenbank, in der über Jahre Kundendaten und Bestellungen liegen, ist diese Planbarkeit mehr wert, als es zunächst klingt.

Dazu kommt die Austauschbarkeit in beide Richtungen. Weil MariaDB dieselben Befehle spricht wie MySQL, findet sich für ein MariaDB-Projekt jeder Dienstleister, der MySQL kennt, und das sind praktisch alle. Auch ein Hosterwechsel scheitert nicht an der Datenbank. Was bleibt, ist die normale Betriebsarbeit: Sicherungen, Aktualisierungen, ein Blick auf langsame Abfragen. Das übernehmen wir im Rahmen von Hosting und Wartung, oder wir richten es ein und übergeben es an euer Team, mit Beratung vorab, wenn die Wahl noch offen ist.

Ist MariaDB die Zukunft?

Die ehrliche Antwort: MariaDB ist nicht die Ablösung von MySQL geworden, die manche 2009 erwartet hatten, und das muss sie auch nicht sein. Beide Projekte werden aktiv weiterentwickelt, beide tragen einen großen Teil des Webs, und der Wettbewerb zwischen ihnen hält beide Seiten wach. Oracle hat MySQL entgegen früher Befürchtungen nicht vernachlässigt, und MariaDB hat sich als feste Größe in der Linux-Welt eingerichtet.

Für die Zukunftssicherheit eines Projekts ist die Wahl zwischen den beiden deshalb kaum entscheidend. Beide sind sichere Optionen, und der gemeinsame SQL-Kern sorgt dafür, dass ein späterer Wechsel in beide Richtungen möglich bleibt. Wichtiger als die Frage MariaDB oder MySQL ist, dass die Datenbank gepflegt wird: gesichert, aktuell gehalten und ab und zu aufgeräumt. Eine vernachlässigte Datenbank macht Probleme, egal welcher Name auf ihr steht.

Was für MariaDB spricht

Bildschirm mit einer Liste erledigter Aktualisierungen

Vollständig frei

Der gesamte Kern steht unter der GPL, ohne kommerzielle Fassung daneben. Lizenzkosten können nicht entstehen, auch in Zukunft nicht.

Bildschirm mit zwei Anwendungen, die über Pfeile verbunden sind

Kompatibel zu MySQL

Dieselben Befehle, dieselben Werkzeuge, dieselben Treiber. Anwendungen wechseln zwischen beiden, ohne umgeschrieben zu werden.

Serverschrank mit blau leuchtenden Geräten

Standard auf Linux

Viele Distributionen und Hoster liefern MariaDB als Voreinstellung. Wer ein Hosting-Paket bucht, hat sie oft schon.

Laptop auf einem Schreibtisch mit einer geöffneten Webseite

Unabhängig verwaltet

Die MariaDB Foundation wacht über die Entwicklung. Kein einzelner Konzern kann die Richtung oder die Bedingungen ändern.

Unsere Arbeit mit MariaDB

Von der Einrichtung über den Umzug bis zum laufenden Betrieb.

  • Zwei externe Festplatten neben einem Laptop

    Hosting und Wartung

    Betrieb mit Sicherungen, deren Zurückspielen wir proben, Aktualisierungen und Blick auf langsam gewordene Abfragen.
  • Laptop mit einer Anmeldemaske für ein Kundenportal

    Webanwendungen

    Portale und interne Werkzeuge, deren Daten in MariaDB liegen, sauber strukturiert und mit geprüften Zugriffen.
  • Laptop auf einem Schreibtisch, daneben eine Tasse und ein Headset

    Beratung

    Ehrliche Einschätzung, ob ein Wechsel von MySQL etwas bringt oder nur Arbeit macht, anhand eurer Anwendung statt pauschal.

Häufige Fragen

Ist MariaDB kostenlos?

Ja, vollständig. Der Kern steht unter der GPL, es gibt keine kommerzielle Fassung, hinter der Funktionen auf zahlende Kunden warten. Die Firma MariaDB plc verkauft Support und Zusatzprodukte, die Datenbank selbst kostet aber nichts, auch im Firmeneinsatz nicht.

Warum heißt MariaDB MariaDB?

Michael Widenius benennt seine Datenbanken nach seinen Kindern: MySQL nach seiner Tochter My, MariaDB nach seiner Tochter Maria. Das DB steht schlicht für Datenbank. Die Namensverwandtschaft passt, denn MariaDB ist die direkte Abspaltung von MySQL.

Läuft WordPress mit MariaDB?

Ja, WordPress unterstützt MariaDB offiziell und gleichwertig zu MySQL. Viele Hosting-Pakete liefern ohnehin MariaDB aus, und WordPress merkt davon nichts. Auch WooCommerce, TYPO3 und die meisten Shopsysteme laufen ohne Anpassung damit.

Wer nutzt MariaDB?

Unter anderem Wikipedia, das seine Datenbanken 2013 von MySQL umgestellt hat, dazu unzählige Webseiten auf Linux-Hosting, oft ohne dass die Betreiber es wissen. Große Linux-Distributionen wie Red Hat und Fedora liefern MariaDB als Standard aus. Bei uns läuft sie in vielen der Webseiten und Shops, die wir betreuen.

Ist MariaDB schneller als MySQL?

Mal ja, mal nein, je nach Version und Aufgabe, und die Unterschiede sind für Webseiten und Shops praktisch nie spürbar. Wer eine langsame Seite hat, findet die Ursache fast immer bei fehlenden Indizes oder aufgeblähten Tabellen, nicht bei der Wahl zwischen den beiden. Erst aufräumen, dann über einen Wechsel nachdenken.

Kommen wir von MariaDB zurück zu MySQL?

Bei einer normalen Webseite ja, über einen Datenbankabzug, der in MySQL eingespielt wird. Je weiter die Versionen auseinanderliegen und je mehr besondere Funktionen genutzt werden, desto mehr Stellen müssen geprüft werden. Wie beim Hinweg gilt: erst auf einer Kopie durchspielen, dann umschalten.

Ist MariaDB sicher?

Die Datenbank ist ausgereift und bekommt regelmäßig Sicherheitsaktualisierungen, die dank offener Entwicklung öffentlich nachvollziehbar sind. Die eigentlichen Risiken liegen wie bei jeder Datenbank im Betrieb: offene Zugänge, schwache Passwörter, fehlende Sicherungen. Wer Aktualisierungen einspielt und den Zugang auf den eigenen Server beschränkt, ist gut aufgestellt.

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