
Was ist PostgreSQL?
PostgreSQL ist die Datenbank, zu der Entwickler greifen, wenn Daten nicht nur gespeichert, sondern ausgewertet werden sollen. Woher sie kommt, was sie kann und wann MySQL trotzdem reicht.
- Lesezeit
- 9 Minuten
- Autor
- Samet Akin
- Veröffentlicht
- Kategorie
- Technik erklärt
Was ist PostgreSQL?
PostgreSQL, oft nur Postgres genannt, ist eine relationale Datenbank: Daten liegen in Tabellen mit festen Spalten, die Tabellen verweisen aufeinander, und gefragt wird in der Sprache SQL. Insofern gehört sie in dieselbe Familie wie MySQL und MariaDB. Der Unterschied steckt im Anspruch: PostgreSQL wurde als Forschungsprojekt entworfen, um mehr zu können als Zeilen ablegen und wiederfinden, und dieser Anspruch prägt sie bis heute.
Konkret heißt das: PostgreSQL kann Berichte und Rangfolgen direkt in der Datenbank ausrechnen, statt die Rohdaten stückweise an die Anwendung zu geben. Sie prüft Regeln auf Spaltenebene, durchsucht Texte, versteht JSON-Dokumente und rechnet mit Standorten auf der Landkarte, letzteres über die Erweiterung PostGIS. Vieles, wofür sonst ein zweites Werkzeug nötig wäre, ist hier eingebaut.
Einfache Anfragen sehen aus wie überall, das ist der gemeinsame SQL-Kern aller relationalen Datenbanken. Der Charakter von PostgreSQL zeigt sich erst, wenn die Fragen schwieriger werden.
SELECT firma, ort
FROM kunden
WHERE ort = 'Oberhausen'
ORDER BY firma;Wie funktioniert PostgreSQL?
Wie andere Datenbanken läuft PostgreSQL als Dienst auf einem Server, nimmt Verbindungen an und beantwortet SQL-Anfragen. Das Besondere ist der Planer dahinter: Für jede Anfrage überlegt die Datenbank selbst, auf welchem Weg sie am schnellsten zum Ergebnis kommt, welche Indizes sie nutzt und in welcher Reihenfolge sie Tabellen verknüpft. Je komplizierter die Frage, desto mehr zahlt sich das aus.
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Die Frage, welche drei Artikel in jeder Region am häufigsten bestellt wurden, ist in einfachem SQL mühsam. PostgreSQL beantwortet sie mit einer sogenannten Fensterfunktion in einer einzigen Anfrage:
Ohne diese Fähigkeit müsste die Anwendung alle Bestellungen laden und selbst zählen, was bei großen Datenmengen Minuten statt Sekunden dauert. Die Faustregel lautet: Die Arbeit soll dort passieren, wo die Daten liegen. PostgreSQL ist die Datenbank, die nach dieser Regel gebaut ist.
SELECT region, artikel, anzahl
FROM (
SELECT region, artikel, COUNT(*) AS anzahl,
RANK() OVER (
PARTITION BY region
ORDER BY COUNT(*) DESC
) AS platz
FROM bestellungen
GROUP BY region, artikel
) AS rangliste
WHERE platz <= 3;Wozu wird PostgreSQL verwendet?
Überall dort, wo Software selbst entwickelt wird und die Daten mehr leisten sollen als herumliegen. Fertige Systeme wie WordPress setzen MySQL voraus, deshalb begegnet einem PostgreSQL fast nur hinter individueller Software. Typische Einsatzgebiete sind:
- Kundenportale und Firmenanwendungen mit Berichten, Rechten und Regeln
- Auswertungen über große Bestände, etwa Umsätze je Region und Monat
- Anwendungen mit Standortdaten, von der Filialsuche bis zur Tourenplanung
- Systeme, die JSON aus fremden Schnittstellen speichern und darin gezielt suchen
- KI-Anwendungen, die Texte als Vektoren ablegen und Ähnliches wiederfinden
Bei uns kommt PostgreSQL genau dann ins Spiel, wenn Abfragen anspruchsvoll werden. Auswertungen über mehrere Tabellen schreiben wir lieber als eine SQL-Anfrage in der Datenbank, statt die Daten in der Webanwendung zusammenzurechnen. Das Ergebnis ist dasselbe, aber die Antwort kommt in Sekundenbruchteilen statt in Minuten, und die Logik steht an einer Stelle, die sich prüfen lässt.
Die Geschichte von PostgreSQL
PostgreSQL ist älter, als viele denken. 1986 startete der Informatiker Michael Stonebraker an der University of California in Berkeley das Forschungsprojekt POSTGRES, den Nachfolger seiner früheren Datenbank Ingres. Mitte der Neunziger bekam das Projekt die Abfragesprache SQL, und seit 1996 trägt es den heutigen Namen. Seitdem wird es von der PostgreSQL Global Development Group weiterentwickelt, einer weltweiten Gemeinschaft ohne Eigentümer im Rücken, die jedes Jahr eine neue Hauptversion veröffentlicht.
- Ursprung
- 1986 als Forschungsprojekt POSTGRES in Berkeley
- Heutiger Name seit
- 1996
- Entwickelt von
- PostgreSQL Global Development Group, ohne Eigentümer
- Lizenz
- Freie PostgreSQL-Lizenz nach BSD-Vorbild, keine kommerzielle Fassung
- Verbreitung
- Meistgenutzte Datenbank in der Stack-Overflow-Umfrage
Vom Forschungsprojekt zum Favoriten

Forschung in Berkeley
Michael Stonebraker startet POSTGRES als Nachfolger seiner Datenbank Ingres. Ziel ist eine Datenbank, die mehr Datentypen und Regeln versteht als die damals üblichen Systeme.
1986
Was PostgreSQL nicht kann
So viel PostgreSQL kann, so klar sind die Fälle, in denen sie die falsche Wahl ist. Die häufigsten Missverständnisse räumt eine ehrliche Liste am schnellsten aus:
- Sie läuft nicht unter WordPress, Shopware und den meisten fertigen Systemen, denn die setzen MySQL voraus
- Einfache Hosting-Pakete liefern sie selten mit, meist braucht es einen eigenen Server oder einen Cloud-Dienst
- Ihre Möglichkeiten wollen beherrscht werden: Wer nur speichert und liest, bezahlt die Einarbeitung ohne den Nutzen
- Bei Datensätzen ohne jede feste Form bleibt eine Dokumentendatenbank wie MongoDB die natürlichere Wahl, auch wenn PostgreSQL JSON gut beherrscht
Kurz gesagt: PostgreSQL ist ein Werkzeug für selbst entwickelte Software. Wer eine WordPress-Seite oder einen fertigen Shop betreibt, hat schlicht keinen Ort, an dem es seine Stärken zeigen könnte.
PostgreSQL oder MySQL?
Wer eine eigene Anwendung plant, steht früher oder später vor dieser Frage, und sie lässt sich erfreulich nüchtern beantworten: Es kommt darauf an, was mit den Daten passieren soll. Beide speichern zuverlässig, beide sind kostenlos, beide sind seit Jahrzehnten bewährt. Der Unterschied zeigt sich bei den Fragen an die Daten. PostgreSQL ist die bessere Wahl, wenn:
- Berichte und Auswertungen ein fester Bestandteil der Anwendung sind, nicht nur ein Nachgedanke
- besondere Daten im Spiel sind: Standorte, Volltexte, JSON aus Schnittstellen, Vektoren für KI-Funktionen
- die Anwendung über Jahre wachsen soll, ohne dass später die Datenbank getauscht werden muss
- Regeln und Rechte in der Datenbank selbst geprüft werden sollen statt nur in der Anwendung
MySQL bleibt die richtige Wahl, wenn ein fertiges System sie vorgibt, wenn das Projekt auf normalem Webhosting laufen soll oder wenn das Team seit Jahren damit arbeitet und nichts Anspruchsvolles ansteht. Der Unterschied entscheidet selten über Erfolg oder Misserfolg eines Projekts, aber er entscheidet darüber, wie viel Arbeit der dritte Bericht macht, den irgendwann jemand haben will. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur PostgreSQL-Entwicklung.
PostgreSQL aus Kundensicht
Für Auftraggeber ist zunächst die Lizenzlage angenehm eindeutig: PostgreSQL ist vollständig frei, es gibt keinen Hersteller, keine kommerzielle Fassung und damit keine Lizenzkosten, die je auftauchen könnten. Auch die Abhängigkeitsfrage fällt freundlich aus. Weil die Datenbank keiner Firma gehört und jeder große Cloud-Anbieter sie als Dienst anbietet, lässt sich der Betreiber wechseln, ohne die Anwendung umzubauen. Die Daten gehören euch und ziehen mit.
Auf der Kostenseite steht dafür der Betrieb: PostgreSQL liegt selten dem Hosting-Paket bei, es braucht einen eigenen Server oder einen bezahlten Cloud-Dienst, dazu jemanden, der Sicherungen und Aktualisierungen im Blick hat. Für eine Anwendung, die dem Unternehmen gehört und Jahre laufen soll, ist das gut angelegtes Geld. Für Auftraggeber lohnt sich außerdem eine einfache Frage an den Dienstleister: Wo werden die Auswertungen gerechnet, in der Datenbank oder in der Anwendung? Die Antwort verrät viel darüber, wie die Anwendung in fünf Jahren dasteht.
Ist PostgreSQL die Zukunft?
Im Moment spricht viel dafür. PostgreSQL ist die Datenbank, die in Entwicklerumfragen vorn steht, die jeder Cloud-Anbieter im Programm hat und auf der viele neue Datenbankprodukte direkt aufbauen. Auch beim Thema KI ist sie vorn dabei: Mit der Erweiterung pgvector speichert sie Texte als Vektoren und findet inhaltlich Ähnliches wieder, eine Grundlage vieler KI-Anwendungen, ohne dass dafür ein weiteres System nötig wäre.
Dazu kommt ein struktureller Vorteil: Weil PostgreSQL keiner Firma gehört, kann sie nicht verkauft, eingestellt oder hinter neue Lizenzbedingungen gestellt werden. Die jährlichen Versionen erscheinen seit Jahrzehnten verlässlich, getragen von Firmen und Freiwilligen weltweit. Das ist keine Garantie für die Ewigkeit, aber eine bessere Absicherung, als sie die meisten kommerziellen Produkte bieten.
Ehrlich bleibt festzuhalten: Für Webseiten und fertige Shops wird MySQL der Standard bleiben, daran ändert auch die beste Datenbank nichts. Die Zukunft von PostgreSQL liegt dort, wo sie schon heute stark ist, bei selbst entwickelter Software, und dieser Bereich wächst.
Was PostgreSQL stark macht

Auswertungen eingebaut
Rangfolgen, Zeitreihen und Berichte rechnet die Datenbank selbst aus. Die Anwendung stellt die Frage und bekommt das fertige Ergebnis.

Mehr als Tabellen
JSON, Volltextsuche, Geodaten und Vektoren für KI-Funktionen sind eingebaut oder eine Erweiterung entfernt. Ein zweites System wird oft überflüssig.

Niemandes Eigentum
Keine Firma kann PostgreSQL verkaufen, einstellen oder neu lizenzieren. Die Gemeinschaft veröffentlicht seit Jahrzehnten verlässlich jedes Jahr eine neue Version.

Überall betreibbar
Eigener Server, deutscher Hoster oder Cloud-Dienst bei AWS und Google: PostgreSQL läuft überall gleich, und die Daten ziehen ohne Umbau mit.
Was wir mit PostgreSQL bauen
PostgreSQL ist unsere Wahl, wenn Daten arbeiten sollen statt nur herumzuliegen.

Webanwendungen
Portale und interne Werkzeuge mit Berichten, Rechten und Regeln, deren Auswertungen direkt in der Datenbank rechnen.
KI und Automatisierung
Anwendungen, die Dokumente als Vektoren ablegen und inhaltlich Ähnliches wiederfinden, mit pgvector direkt in PostgreSQL.
Cloud
Betrieb als verwalteter Dienst mit Sicherungen und EU-Region oder auf einem eigenen Server, je nachdem, wo eure Daten liegen sollen.






